Jakob Schroth

Jakob Schroth

  • 27. Dezember 1932. Weihnachtsfeier des Turnvereins

    () Niederstetten, 27. Dez, Die Weihnachtsfeier des Turnvereins war zugleich ein freudiges Jubiläum für den Verein. Blickt er doch in diesen Tagen auf ein 70jähriges Bestehen zurück. So bildete denn auch die Festrede des Herrn Hauptlehrers Gerheißer den Kernpunkt des Abends und wir setzen sie aus diesem Grunde an den Anfang unseres Berichtes. Einleitend begrüßte Herr Gerheißer die Teilnehmer des Festabends, voran Se. Durchlaucht Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. In anschaulichen Worten schilderte dann der Redner die Geschicke des Vereins von seiner Gründung bis heute. In den 80er Jahren durchflutete eine Welle turnerischer Begeisterung Deutschland und dieser Wellenschlag wurde auch hier verspürt. Im Jahre 1862 wurde dann der Turnverein gegründet. Urkundliche Aufzeichnungen finden sich erst 1864. In diesem Jahre hatte der Verein eine Fahne angeschafft und sein Stiftungsfest gefeiert. Durch zähe und zielbewußte Arbeit gelang es, den Verein der Zahl und der Leistung nach hochzubringen. So sind schon in den 70er Jahren schöne turnerische Erfolge auf den Turnfesten zu verzeichnen. Aus unerklärlichen Gründen trat der Verein einige Jahre aus dem Hohenloher Gau aus, man nimmt an, daß die Gründung eines Taubergaus geplant war. Nachdem der Verein in den ersten 25 Jahren seines Bestehens gute Wurzel gefaßt hatte, erfolgte der weitere Ausbau durch Anschaffung moderner Geräte u. a. Immer mehr machte sich mit der Zeit der Mangel einer Turnhalle fühlbar. Es wurde ein Finanzausschuß gebildet. Nachdem es dessen eifrigen Bemühungen gelungen war, einige tausend Mark zusammenzubringen, wurde ein Bauausschuß gewählt, dessen Aufgabe es war, den Bau einer Turnhalle zu verwirklichen. 2 Pläne lagen vor, von welchen derjenige des verstorbenen Herrn Stadtbaumeisters Baumann, wegen seiner moderneren Durchführung zur Ausführung kam. Im Jahre 1912 konnte die Turnhalle eingeweiht werden. Zu deren Ausführung wurden namhafte private Spenden gegeben und auch die Stadt gab einen ansehnlichen Baubetrag. Um die Jahrhundertwende hatten Freunde der Turnsache eine neue Fahne gestiftet. Kurz vor von Krieg wurde das Mädchenturnen in den Turnplan aufgenommen. Während des Krieges hat der Turnbetrieb geruht. Die zurückkehrenden Krieger hatten die großen Vorteile eines turnerisch durchgebildeten Körpers für den Soldaten erkannt. Da nach dem Kriege die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde, ist es leicht erklärlich, daß der Turnverein großen Zuwachs aus der Jugend erhielt. Den Gefallenen des Vereines widmete der Turnverein eine schöne Gedenktafel. Neues Leben entstand nach dem Kriege wieder in der Turnhalle und auf allen Turnfesten bis heute hat der Verein schöne Siege errungen. Mehrere gelungene Turnfeste in Niederstetten seit Bestehen des Vereins haben von dessen Tatkraft und guter Leistung Zeugnis abgelegt, Aber nicht nur der turnerischen Sache hat sich der Verein gewidmet, sondern er suchte auch zur Hebung des geselligen Lebens beizutragen. So hat er seit Bestehen mehrmals jährlich Feiern abgehalten, bei denen mit den turnerischen Leistungen gute unterhaltende Darbietungen abwechselten. Herr Hauptlehrer Gerheißer gab auch im Verlaufe seiner Festrede viele personelle und sachliche Daten. Ganz besonders betonte er auch die interkonfessionelle und parteilose Einstellung der deutschen Turnerschaft. Der Redner beleuchtete auch die wichtigsten Gegenwartsfragen und die Stellungnahme der deutschen Turnerschaft zu ihnen. Herr Hauptlehrer Gerheißer schloß mit einem Hinblick auf die Zukunft und verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß bei dem kommenden Deutschen Turnfest in Stuttgart der Turnverein Niederstetten seinen Traditionen getreu siegreich sein möge. Die Darbietungsfolge bot reiche Abwechslung. Turnerisch trat sogar die Männerriege erfolgreich auf den Plan. Gut waren die Uebungen der Turner, graziös der Reigen der Turnerinnen. Eine originelle und schöne Darbietung war die Revue „Ahoi“ der Turnerinnen mit dem Schlager: „Das ist die Liebe der Matrosen“. Der stylvolle Hintergrund der Szenerie, ein großes Schiff, war sehr wirkungsvoll, Natürlich durfte auch ein flott gespielter, humorvoller Einakter nicht fehlen. Den Höhepunkt des unterhaltenden Teils des Abends bildete die von einem erhebenden, von Herrn Wallrauch gesprochenen Text begleitete Pantomime: „Lieber Tod als Sklav“. Vor unseren Augen spielte sich ein großes Stück deutschen Schicksals ab. Die größte Ueberraschung des Abends bildete die durch den Vorstand Hrn. K. Streitberger verkündete Verlobung des langjährigen: verdienstvollen Oberturnwarts Herrn Albert Kleinhaß mit einer deutschen Turnerin (Frl. Lina Härterich). So war alles in bester Stimmung, und als auch die Verlosung beendet war, nahm ein fröhlich verlaufener Ball seinen Anfang.

    () Niederstetten, 27. Dez. Die katholische Gemeinde hatte zu ihrer Weihnachtsfeier allgemein Einladung ergehen lassen. So war denn auch der Löwensaal lange vor Beginn der Festlichkeit, welche am Stephanusfeiertage stattfand, dicht besetzt. Herr Stadtpfarrverweser Maier begrüßte alle Erschienenen. Er sprach seine Freude darüber aus, daß auch die beiden anderen Konfessionen so zahlreich vertreten seien, daß sie alles Trennende fallen ließen, um der Weihnachtsfeier der katholischen Gemeinde beizuwohnen. Was das Weihnachtsfest dem Einzelnen an Weihe und Friede habe erleben lassen, möge Nachklang in dieser Feier finden. Besondere Begrüßung widmete Herr Stadtpfarrverweser Maier dem anwesenden Herrn Bürgermeister Schroth. Die zahlreichen Darbietungen hatte Herr Hauptlehrer Huß eingeübt. Zunächst sang ein Schülerchor ein Weihnachtslied. In der weiteren Vortragsfolge sang der kath. Kirchenchor in meisterhafter Harmonie und bemerkenswert deutlicher Aussprache einige religiöse Lieder und Canons (Ehre sei Gott in der Höhe, Alles was Odem hat). Herr Mettmann spielte zwei ergreifende Violinsolos (Begleitung Herr Hauptlehrer Huß). Dann aber wurden zwei größere Gesamtspiele aufgeführt, von denen besonders das zweite „Der Segen der Christnacht“ großen Eindruck machte. Den Darstellern, Kindern und Erwachsenen, gebührt alles Lob. Aber ganz besonders muß gesagt werden, was Herr Hauptlehrer Huß mit dem Einstudieren dieser Stücke geleistet hat. Denn es gehört großes Geschick und unendliche Liebe und Geduld dazu, auch die ganz Kleinsten so einzulernen, daß sie ihre Sache so gut machen, wie dies der Fall war und dann Klein wie Groß in einem so vorzüglichen Zusammenspiel zu vereinigen. Was der Feier eine ganz besondere Weihe gab, das war die geistvolle und gemütvolle Schlußrede des Herrn Stadtpfarrverweser Maier. Die Welt brauche, auch in schlimmster Zeit, Friede und Freude. Freude solle auch die Weihnachtsfeier bringen. Denn sie solle nicht in rauschenden und betäubenden Festen gefunden werden. Friede brauche die ganze Welt am Nötigsten. Aber er könne nur kommen, wenn er vom ganzen Volk herab zum Einzelnen betätigt werde, wenn jeder Mensch Friedensträger und Friedensbringer sei. In diesem Sinne wünsche er auch nicht nur seiner Gemeinde Friede, sondern er wünsche ihn auch der ganzen Stadtgemeinde. Wenn auch manches Mißverstehen im vergangenen Jahr zur Störung des Friedens beigetragen habe, so solle das alles vergessen sein. Wir wollen alle von vorne anfangen, den Frieden zu pflegen und hochzuhalten in unserer Stadt. In seiner Dankrede unterstrich Herr Bürgermeister Schroth für sich und alle Gäste die Friedenshoffnung und die Friedenswünsche des Herrn Stadtpfarrverweser Maier. Es war ein guter Gedanke, zu dieser Feier seitens der katholischen Gemeinde auch die anderen Konfessionen einzuladen, und es hat sich gezeigt, daß die Friedensbestrebungen der Geistlichkeit und des Stadtvorstandes reichen Segen bringen.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 304, 28. 12. 1932)

  • 27. Januar 1930. Bericht vom Vortrag Albert Sammt

    () Niederstetten, 27. Jan. Gestern abend wiederholte Herr Bordingenieur Albert Sammt vom Zeppelinbau Friedrichshafen in der Turnhalle seinen Vortrag, über welchen wir bereits ausführlich berichtet haben. Eine glänzende Versammlung war zusammengekommen, um seinem Berichte zu lauschen, die Turnhalle war dicht gefüllt, mehr als 500 Personen waren zu zählen. Unser Ehrenbürger, Herr Fabrikant Wilhelm Bernheim aus St. Gallen, war eigens zu dieser Veranstaltung hierher gereist. Herr Stadtschultheiß Schroth begrüßte die Versammlung und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß sich dieser Abend im Verein mit Herrn Sammt und Hrn. Bernheim zu einem wahren Familienabend der großen Familie, der Bürgerschaft, gestalten möge. Dann begrüßte Herr Stadtschultheiß Schroth Herrn Albert Sammt. Beim Herbstfest habe dieser versprochen, Niederstetten zu überfliegen, er habe Wort gehalten. Er habe versprochen im Winter uns mit seinem Vortrag zu erfreuen, er habe wieder Wort gehalten. Diese Einlösung gegebenen Versprechens sei eines echten deutschen Mannes würdig. Deutsch seien auch die Taten, auf welche unser Landsmann stolz sein dürfe. Doch habe ihm sein Erfolg vor jedem Stolz und jeder Selbstüberhebung bewahrt. [?] an Herrn Wilhelm Bernheim richtete Herr Stadtschultheiß Schroth herzliche Worte der Begrüßung und dankte ihm für das Wohlwollen, welches er jederzeit seiner Heimatstadt bewiesen habe. Im weiteren Verlauf des Abends sprach noch Herr Max Stern. Er schilderte den Drang nach Beherrschung der Luft, welcher seit [Hunderten?] von Jahren der Menschheit inne wohne und [?] nun Wirklichkeit geworden sei. Weiter gab er seiner Freude Ausdruck, daß unser Ehrenbürger unsere Stadt nicht nur mit seinem Rat, sondern auch seiner Tat unterstütze. Als Vertreter der heimischen Presse freue er sich immer, wenn er von seinen Landsleuten Gutes und Schönes berichten dürfe. Im Schlußwort dankte Hr. Schultheiß Schroth dem Herrn Sammt für sein [herr?]lichen Vortrag. Der Männergesangverein unter der Leitung seines erprobten Dirigenten, Herrn Chormeister Fleckenstein-Mergentheim, verschönte den Abend durch [?] Gesänge. Mit dem Deutschlandlied schloß die schöne und erhebend verlaufene Veranstaltung.
    [Einige Worte im Falz nicht entzifferbar]

    Vaterlandsfreund, Nr. 22, 28. 1. 1930

  • 28. Juli 1933, Hauptübung der Feuerwehr mit Ehrungen

    Níederstetten, 28. Juli. (Hauptübung der Feuerwehr). Am letzten Montag, den 24: Juli 1933, abends 6 Uhr, marschierte die Freiw. Feuerwehr der Stadtgemeinde Niederstetten in flottem Tempo zur Siedlung Albrechtshöhe (Bauernsiedlung Eichhof), wo zusammen mit dem Freiw. Arbeitsdienst und der Feuerwehr Ermershausen eine Hauptübung stattfand. Sofort nach Ankunft wurde ohne jede Vorbereitung alarmiert, daß in Siedlung I mit der angebauten Siedlung II Feuer ausgebrochen ist, welches durch den herrschenden starken Westwind die Siedlung III besonders gefährdete. Kommandant Streitberger erteilte sofort seine Befehle, welche von Kommandant-Stellvertreter Knenlein sofort an die einzelnen Züge weitergegeben und prompt ausgeführt wurden. Während die Gefahr des Brandobjektes der Siedlung I und II als beseitigt erklärt wurden, entstand durch Funkenflug in Siedlung VII Feuer. Bei der Brandstelle I blieb eine Feuerwache zurück, alle anderen verfügbaren Kräfte eilten zum neuen Brandherd. Es war eine besondere Freude, zu sehen, wie die Freiw. Feuerwehr Niederstetten, die Feuerwehr Ermershausen und der Freiw. Arbeitsdienst Hand in Hand arbeiteten und so die gestellten Aufgaben zur allgemeinen Zufriedenheit lösten. Nach 2stündiger harter Arbeit ertönte das Signal "Sammeln". Bürgermeister Schroth erklärte in einer Ansprache den Anwesenden Siedlern den Zweck der Uebung und gab ihnen zu verstehen, daß auch sie unter dem Schutz der gesamten Feuerwehr der Stadtgemeinde Niederstetten stehen.

    Hierauf ehrte Bürgermeister Schroth folgende Kameraden mit dem Feuerwehrverdienstehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit: Kommandant-Stellvertreter Richard Knenlein, Feuerwehrmann Wilhelm Hofmann, Albert Kleinschrot, Johann Linder, Otto Reis. - Inzwischen hatte ein ungenannter Spender jedem Teilnehmer an der Uebung eine Flasche Bier gestiftet. Nach eigenen, vom Freiw. Arbeitsdienst vorgetragenen Liedern dankte Lagerführer Weinmann der Feuerwehr, daß durch diese Uebung seinem Wunsche Rechnung getragen worden sei und versprach, daß er bei nächster Gelegenheit mit seiner Mannschaft einer Uebung in der Stadtgemeinde Niederstetten beiwohnen werde. Ein kräftiges Heil Hitler beschloß die Uebung und die Feuerwehren marschierten mit frischem Gesang ihren Standorten zu.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 173, 28. 7. 1933, S. 4)

  • 29. Juli 1936. Kreisfeuerwehrtag

    Niederstetten 29. Juli. (Kreisfeuerwehrtag.) Am letzten Sonntag hielt der Bezirksfeuerwehrverband Gerabronn hier seinen Kreisfeuerwehrtag ab. Aus dem ganzen Kreise waren die Kommandanten der Ortsfeuerwehren erschienen, desgleichen größere Abteilungen der Feuerwehren Blaufelden, Bartenstein und Kirchberg; letztere mit ihrer Motorspritze. Die Tagung begann um 9 Uhr mit einer Sitzung des Ausschusses im Gasthaus zur "Post". Nach einem Vorbeimarsch der Feuerwehren vor Herrn Kreisfeuerlöschinspektor Kellermann-Gerabronn, begannen die Geräteübungen der freiwilligen Feuerwehr Niederstetten, welche durch disziplinierte Haltung u. exakte Ausführung ungeteilten Beifall der sehr zahlreichen Zuschauer erfuhr. Anschließend endigte eine Hauptübung bei einem angenommenen Brandobjekt, mit Unterstützung der Motorspritze Kirchberg, welche mit einem Hauptrohr und drei Nebenrohren arbeitete und ihr Wasser aus dem Vorbach holte. Auch für diese Uebung wurde großes Interesse gezeigt. Der Vormittag schloß mit der Vorführung einer Motorspritze durch die Magiruswerke Ulm a. D., welche abwechselnd mit Wasser und Schaum, sowie mit einem und sechs Rohren arbeitete. — Um 13 1/2 Uhr fand die Tagung in- der Turnhalle ihren Fortgang. Herr Kreisfeuerlöschinspektor Kellermann begrüßte die Anwesenden, worauf Herr Bürgermeister Schroth das Wort ergriff. Er betonte besonders auch, daß es dieses Jahr zehn Jahre seien, seit die freiw. Feuerwehr Niederstetten gegründet worden wäre und hätte die Feuerwehr im Jahre 1925 dreihundert Feuerwehrpflichtige gezählt, so wurde sie darauf auf 120 reduziert. In seinen weiteren Ausführungen berichtete Herr Bürgermeister Schroth über die Bandfälle dieser zehn Jahre, in welcher sich die freiw. Feuerwehr Niederstetten ganz hervorragend bewährt habe. Als besondere Ehrung für treue Pflichterfüllung konnte er dem Kommandanten Karl Streitberger das Verdienstkreuz überreichen. Herr Feuerlöschinspektor Kellermann erläuterte in einer längeren Ausführung die Einheitsfeuerwehr in ihrer Einteilung nach neuen Gesichtspunkten und führte als Beispiel die freiw. Feuerwehr Niederstetten an, welche schon vollständig als Einheitsfeuerwehr aufgestellt sei und ihre Uebungen in diesem Sinne heute ausgeführt habe. Bei der früheren Einteilung gab es Steiger-, Retter-, Schlauchleger-, Hydranten-, Spritzen- und Wachmannschaften, während heute jeder Feuerwehrmann an allen Geräten ausgebildet wird, um so überall eingesetzt werden zu können. Protokollführer Rühling-Gerabronn verlas die Berichte über die letzten Jahre und Kassenleiter Maurer gab Rechenschaftsbericht. Nun ergriff Obertruppmeister Müller vom Reichsluftschutzbund zu seinem Vortrag über: Luftschutz und Feuerwehr im Luftschutz, das Wort. Seine packenden Ausführungen brachten lebhaften Beifall und überzeugten die Zuhörer davon, daß der Luftschutz eine Lebensfrage für das deutsche Volk geworden ist, denn Deutschland sei das luftempfindlichste Land Europas und besonders für eine Zermürbung der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe geeignet und darum der zivile Luftschutz, zu welchem jeder Deutsche und jede Deutsche verpflichtet sei, zum Schutze der Heimat und besonders wir auf dem Lande sind der Zerstörung der Ernährungsgrundlage ausgesetzt, denn im Ernstfalle wird jeder lebendwichtige Betrieb aus der Luft angegriffen werden. In seiner Rede erklärte Herr Müller die Kampfmittel in einem zukünftigen Kriege, besonders die Wirkungen der Brandbomben und in dieser Beziehung die Arbeit der Hausfeuerwehren und des Feuerwehrtrupps im Luftschutz. Mit einem dreifaden Sieg-Heil auf unseren Führer schloß die Tagung in der Turnhalle. — Unterdessen hatte sich vor der Turnhalle eine große Anzahl Volksgenossen versammelt, um die Luftschutzübungen unter der Leitung von Herrn Obertruppmeister Müller (Alarm, Angriff, Einsatz der Selbstschutzkräfte unter Verwendung der Luftschutzgemeinschaft), anzusehen. Die bei der Uebung eingesetzten Teilnehmer des ersten Luftschutzkurses in Niederstetten konnten hier zeigen, daß sie nicht umsonst diesen Kurs besucht hatten. Mit Gasmasken ausgerüstet, führten sie die ihnen gestellten Aufgaben bei einem angenommenen Luftangriff mit Ruhe und Sicherheit aus. Es folgte hieran noch die Vorführung von Brandsätzen und das Ablöschen eines mit leicht brennbaren Stoffen, wie Stroh und Reisig gefüllten Dachstockes, welches durch einen Brandsatz angezündet wurde. Lebhaftestes Interesse wurde allen diesen Vorführungen von Seiten der Zivilbevölkerung und der Feuerwehrleute entgegen gebracht.

    Der Franke, Nr. 174, 29. 7. 1936

  • 29. Okt. 1929. Schreinermeister und Gemeinderat Louis Ziegel beigesetzt

    () Niederstetten, 29. Okt. Herr Gemeinderat und Schreinermeister Louis Ziegel wurde heute hier zu Grabe getragen. Er war ein tüchtiger Handwerker und ausgezeichneter Bürger. Seine Ruhe und Sachlichkeit, sowie seine Erfahrenheit auf vielen Gebieten kam den Verhandlungen des Gemeinderates außerordentlich zu statten. So geleitete ihn denn ein fast unübersehbares Gefolge zu seiner letzten Ruhestätte. Am Grabe legten Kränze nieder: Herr Stadtschultheiß Schroth für den Gemeinderat und Darlehenskassenverein, dessen Vorstand der Verblichene war, Herr Gemeinderat und Vorstand des Gewerbevereins, Hirsch, für den Gewerbeverein und Herr Schreinermeister Walter-Blaufelden für die freie Schreinerinnung des Bezirks. Alle Herren betonten ihren Schmerz über das frühe Dahinscheiden des nur 59-Jährigen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 256, 30. 10. 1929

  • 30. September 1929. Herbstfest

    () Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.

    Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929

  • 31. Januar 1933, Generalversammlung des Turnvereins

    Niederstetten, 31. Jan. (Generalversammlung des T.- V.). Bei guter Beteiligung nahm die Generalversammlung des Turnvereins einen harmonischen Verlauf. Vorstand Streitberger eröffnete die Versamlung [!] mit einem Gedenken der Toten des Vereins. Die anschließend folgenden Berichte der Vereinswarte ließen noch einmal die Erfolge des Vereins im abgelaufenen Turnjahr an uns vorüberziehen und zeugten von ihrer aufopfernden Hingabe an die Turnsache. In jedem Bericht wurde ein Problem, nämlich die Erfassung und Eingliederung der Jugend in den Turnbetrieb, von verschiedenen Seiten beleuchtet. Bürgermeister Schroth regte als Ueberparteiischer eine Verschmelzung von Turn- und Sportverein an. Oberturnwart A. Kleinhanß erklärte die Bereitwilligkeit des Turnvereins zu diesem Schritt und gab auch noch Fingerzeige für die Durchführung. Schließlich konnte noch eine das Jugendturnen betreffende Angelegenheit geklärt werden. Die nun folgenden Wahlen brachten folgende Aenderung: Fr. Pflüger übernimmt die Leitung der Turnerinnenabteilung, W. Keppler wird 1. Turnwart. Mit einigen Turnerliedern wurde die Versammlung beschlossen.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 26, 1. 2. 1933, S. 4)

  • 31. März 1931. Schulentlaßfeier der ev. Volksschule

    () Niederstetten, 31. März. Die Zeiten, in welchen der Lehrer der gefürchtete Schultyrann war, liegen weit hinter uns. Das zeigte sich bei der vorgestrigen Schulentlassungsfeier der evang. Volksschule sehr deutlich. Unter Leitung des Herrn Oberlehrer Wahl kam eine Vortragsfolge zur Abwicklung, welche nur mit viel Mühe u. Liebe seitens der Lehrkräfte den Kindern beigebracht sein konnte. Der erste Teil der Vortragsfolge trug den Titel „Neuer Frühling ist gekommen“. In Gesang, Deklamation und Reigen wurde der weltbeglückende Frühling in Natur und im Leben der Völker gepriesen. Zwei Gesamtspiele waren eingefügt: „Abenteuer im Walde" und „Wettrennen zwischen Hasen und Swinegel". Das reizende, wunderbar gefällige und natürliche Spiel der zum Teil den ersten, zum Teil späteren Schuljahren angehörigen Mädchen und Knaben fand begeisterte Aufnahme. Der zweite Teil der Vortragsfolge trug den Titel "Von Wertarbeit in alter und neuer Zeit“. „In Wort und Lied fehlten da nicht des Handwerksburschen Wanderlust bis zum modernen Lied der Arbeit. Auch des grausigen Geschehens bei den großen Bergwerksunglücken war in dem Sprechchor "Der Tod im Schacht" gedacht worden. Das Gedicht Adalbert von Chamissos "Der rechte Barbier“ fand in origineller Weise szenische Wiedergabe. Alle die kleinen und großen Kinder machten ihre Sache ausgezeichnet, man fühlte, daß ihnen mit den Worten auch der Geist der einzelnen Dinge nahegebracht worden war. Die Herren Oberlehrer Wahl und Hauptlehrer Hauff-Herrenzimmern erfreuten die Zuhörer durch klassische Musik auf Klavier und Violine. Die Begrüßungsrede hielt Herr Oberlehrer Wahl, welcher einer großen Zuhörerschaft, darunter vielen auswärtigen Lehrern den Willkommgruß entbieten konnte. Er wies darauf hin, daß auch heute, in der Zeit des ausgeprägtesten Berechtigungswesens, die Volksschule noch eine wichtige Mission zu erfüllen habe. Zum guten Glück hätten sich bei dem Sparkommissar das Kultusministerium und andere maßgebende Behörden schützend vor die Volksschule gestellt. Die Schule wurde im vergangenen Jahr von 135 Schülern besucht, im kommenden Jahr werden es etwa 150 Schüler sein. Herr Bürgermeister Schroth dankte namens der Elternschaft Herrn Oberlehrer Wahl für den schönen Abend und dem Lehrkörper der evang. Volksschule für alle Mühe, welche die Lehrer unter dem Jahre mit den Kindern haben und für die vollkommene Pflichterfüllung, welche die Lehrer beseelt. Alle Anordnungen für den Abend waren nur zu loben. Die Kinder wie die Erwachsenen waren alle sehr gut untergebracht, es herrschte mustergiltige Ordnung, die Vortragsreihe wurde flott durchgeführt. Die Kinder fühlten sich stolz in ihren Rollen, die Eltern freuten sich der Leistungen ihrer Kinder und alle Teilnehmer an der Feier sonnten sich am Glücke der Jugend. So schloß die Feier mit einem glücklichen Akkorde.

    Vaterlandsfreund, Nr. 76, 1. 4. 1931

  • 4. Juli 1932. Verabschiedung Amtsdiener Heinrich Pflüger. Freibadnutzung. Bericht vom Wochenmarkt

    () Niederstetten, 4. Juli. Die gestrige Sitzung des Gemeinderats war eine Ehrung für den nach 46jähriger Amtszeit im Dienste der Stadt in den Ruhestand tretenden Herrn Amtsdiener Heinrich Pflüger. Herr Bürgermeister Schroth sprach dem scheidenden Beamten für seine lange, allezeit treue, gewissenhafte, ehrliche und in jeder Hinsicht einwandfreie Dienstführung, den Dank des Gemeinderates und der Einwohnerschaft unserer Stadt aus. Auch persönlich dankte Bürgermeister Schroth dafür, daß sich seine dienstliche Tätigkeit mit ihm immer reibungslos vollzogen habe. Mit den besten Wünschen für einen langen, glücklichen Lebensabend im Ruhestand, schloß Bürgermeister Schroth unter dem einstimmigen Beifall des vollzähligen Gemeinderates seine Ansprache. Herr Bürgermeister Schroth überreichte eine ehrenvolle Urkunde des Gemeinderates und ein ansehnliches Geldgeschenk in Gold. Herr Amtsdiener Pflüger sprach dem Gemeinderat und seinem Vorsitzenden seinen herzlichsten Dank für die erfahrene Auszeichnung und das Ehrengeschenk aus und dankte auch seinerseits dem Herrn Bürgermeister für die immer schöne Zusammenarbeit. Mit den besten Wünschen für einen gesegneten Fortgang der Beratungen des Gemeinderates schloß Herr Pflüger. – Endlich ist das Wetter auch dem Betrieb unseres herrlichen Freibades günstig. Nicht nur unsere Einwohner machen sich diese schöne Einrichtung zu nutze. In den letzt vergangenen Tagen ist auch eine steigende Frequenz auswärtiger Besucher, darunter vieler Kurgäste des benachbarten Bad Mergentheim zu verzeichnen. – Der heutige Wochenmarkt war von Verkäufern reichlich beschickt. Sowohl hiesige Gärtner als auch auswärtige Händler brachten große Zufuhren an Gemüsen und Kirschen, sodaß unsere Hausfrauen günstig einkaufen konnten. Es ist bedauerlich, daß die Landwirte der Umgegend sich dieser guten Gelegenheit zum Absatz ihrer Erzeugnisse an Butter, Eiern und anderer Dinge nicht bedienen. Kirschen kosteten 20 und 28 Pfg. das Pfund. Der Wochenmarkt findet jeden Montag statt.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 154, 5. 7. 1932)

  • 4. Juli 1934. Kreiskriegertag

    * Niederstetten, 4. Juli. (Kreiskriegertag.) Lachender Sonnenschein lag über dem Vorbachtal und reicher Flaggenschmuck grüßte die Festteilnehmer und Festbesucher, die aus dem ganzen Kreis und dem benachbarten Kreis Mergentheim zusammengeströmt waren, um Stunden der Kameradschaft zu erleben und gemeinsame Erinnerungen aus der aktiven Dienstzeit und der Zeit des großen Krieges auszutauschen. Besonders zahlreich haben die Kriegervereine der freundlichen Einladung des festgebenden Vereins Folge geleistet u. sehr früh schon belebten die ehemaligen Soldaten, die jetzige SAR. II, ordengeschmückt und die Hakenkreuzarmbinde tragend, die Straßen der Stadt. Den Auftakt des Kreiskriegertags bildete nach vorausgegangenem Wecken der feierliche Feldgottesdienst im fürstlichen Hofgarten. Anschließend hielt der Kreisleiter, Herr Oberförster Fritsch, im Beisein des politischen Referenten beim Stabe des Führers der SAR. II, Göhrum, mit den Vereinsführern eine Führerbesprechung; er betonte am Schlusse, daß, wenn am heutigen Tage sein Amt abläuft, er sich nicht verabschiede, da er nur in die Reihen der Kameraden zurücktrete, und wie bisher auch fernerhin der ihre bleibe. Auch ließ es sich Vereinsführer Kurz nicht nehmen, dem scheidenden Kreisführer Worte des Dankes zu sagen und besonders darauf hinzuweisen, wie notwendige Beanstandungen, stets mit Humor vorgebracht, nie zu kränken vermochten. So bestand zwischen Kreisführer und Vereinen stets ein herzliches Verhältnis. Inzwischen war die Kreiskapelle und die Standartenkapelle aufmarschiert, um unter der Leitung von Kapellmeister Fleckenstein-Bad Mergentheim auf dem Festplatz ein Standkonzert zu geben, das außerordentliche Begeisterung auslöste. Der Nachmittag war der Höhepunkt des Festes. 44 Vereine hatten sich zum Festzug aufgestellt. Voraus eine Reitergruppe alter Soldaten in ihren ehemaligen Uniformen. Da sah man wieder einmal die schmucken Ulanen, die Dragoner, die bayrischen Chevauxleger. Sicher und stolz saßen sie auf ihren Pferden, die Alten von der Reiterei. Ein prächtiges Bild boten die vielen neuen Kyffhäuser-Flaggen und die alten Krieger- und Veteranenvereins-Fahnen. Ein viele Hundert zählender Festzug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Schloß herab hinaus zum herrlich gelegenen Festplatz mit dem ansteigenden Schloßberg und dem wuchtigen Fürstenschloß im Hintergrund. Um die von den Fahnen des neuen Reiches flankierte Rednertribüne marschierten die Krieger, SA. und die H.J. zum Festakt auf. Herr Bürgermeister Schroth entbot dem Kriegertag den herzlichen Willkommgruß der Stadtgemeinde Niederstetten. Welche Wandlung hat sich doch vollzogen seit dem letzten Kriegertag vor 9 Jahren in Niederstetten. Freude u. Befriedigung löst die Tatsache aus, daß die nationale Erhebung den Krieger und Soldaten und die alten Soldatentugenden wieder zu Ehren kommen läßt. Sein besonderer Gruß galt dem Sohn der Stadt, Herrn Ministerialdirektor Dr. Dill, u. a. Gästen. Für den festgebenden Verein sprach Herr Richard Knenlein besonders herzliche Willkommworte. Er führte aus, daß sich die alten Soldaten des Kreises Gerabronn und der weiteren Umgebung zum ersten Male im Dritten Reich versammeln, aber mit dem stolzen Gefühl, daß unser Soldatentum zu Ehren und Achtung kam. Die Frontgeneration habe als Träger der Nation in Deutschlands größtem Kriege und in des Vaterlandes höchster Not besonderen Grund in echter, soldatischer Haltung mit der jüngeren Generation im braunen Kleid in Treue zu Volk u. Führer zu stehen. Die große Idee des Nationalsozialismus wurde im Schlamm der Schützengräben und aus den Wunden und dem Blute unserer gefallenen Kameraden geboren. Diese Schicksalsverbundenheit mit dem Frontkameraden Adolf Hitler ist den Soldaten des Krieges richtungweisend. Wie sie im Felde ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllt haben, so tun sie dies auch im heutigen nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers. In prägnanter Form stellte der Kreisführer, Kam. Fritsch, die neuen Ziele und Aufgaben des Kyffhäuserbundes heraus, nachdem er den stellv. Landesführer Min.-Dir. Dr. Dill, der trotz der besonderen politischen Lage sich in Stuttgart freigemacht hatte, um einige Stunden in seiner Heimat bei den Kameraden zu verbringen, Herrn Landrat Wöhrle, Herrn Reg.-Rat Stümpfig, Herrn Kreisleiter Nicklas und die beiden Standartenführer der SAR. II, Herrn Major Engelhardt von Hall u. Herrn Stud.-Rat Pfannkuch von Mergentheim, begrüßt hatte. Herr Fritsch wies auf den Tag hin, an dem die Neugliederung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser und die Neugliederung des Landesverbandes Südwest in Kraft trete, was mit dem heutigen Tag zusammenfalle. Er wies weiter darauf hin, der Besonderheit des Tages, da es in Deutschland hart auf hart gehe, eingedenk zu sein und den Tag würdig zu begehen, sich aber am Zusammensein mit den alten Kameraden zu freuen in dem festen Bewußtsein, hier in gleichgesinnten Kreisen zu weilen, denen Gehorsam dem Führer, Disziplin u. Opfersinn oberste Pflicht sei. — Anschließend stellten sich die Standartenführer Engelhardt und Pfannkuch ihren Kameraden vor und erboten restlosen Einsatz und verständnis- und vertrauensvolle Mitarbeit. — Namens der Kreisleitung der NSDAP. hob dann stellv. Kreisleiter Nicklas die begeisterte Einsatzbereitschaft der Frontsoldaten hervor, wenn es auch nach dem Verrat von 1918 schien, als ob alle Opfer vergebens gewesen wären, so ist es der Frontsoldat Adolf Hitler gewesen, der nach 14jährigem, aussichtslos erscheinendem und schwerstem Kampf das neue Deutschland der Ehre und Freiheit geschaffen hat. Ihm allein ist es zu danken, wenn erst jetzt die riesigen Opfer an bestem deutschen Blut im Weltkrieg und in der Kampfzeit einen Sinn bekommen haben. Herr Min.-Dir. Dr. Dill überbrachte sodann als 2. Landesführer die Grüße des leider am Erscheinen verhinderten Exz. v. Maur. Er gab seiner Freude Ausdruck, an diesem Feste teilnehmen zu können, das in eine Zeit besonderer Bedeutung falle. Kaum seien wenige Tage vorbei, da wir die Flaggen im Gedenken an das schamlose Diktat von Versailles auf Halbmast setzten. Heute stehen wir aber wieder in einer Zeit, da die Kriegervereine es nicht mehr nötig hätten, ihre Fahnen verstecken zu müssen. Dem deutschen Frontsoldaten ist seine Ehre wiedergegeben und fast alle maßgebenden Stellen sind von ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmern besetzt worden. Er würdigte sodann die Person des neuen Bundesführers, den er als echten Frontsoldaten herausstellte. Das Verhältnis zwischen SA. und SAR. zeichnete er dahin, daß die in der SA. zusammengeschlossene Jugend den Alten den revolutionären Geist bringe, sie könne aber von den Aelteren die Lebenserfahrung lernen und sie schulde den alten Soldaten Ehrerbietung. Nur der, der einmal gehorchen gelernt habe, könne erst einmal befehlen. Seine weiteren Ausführungen widmete er den Toten des Weltkrieges und der nat. Revolution. Sie sind es, die Nationalsozialisten und alte Frontkämpfer zusammenhalten müssen. Im Geiste marschieren sie in unseren Reihen mit. Die Fahnen senkten sich beim Lied vom guten Kameraden. Im Auftrag des Landesführers weihte sodann Herr Min.-Dir. Dr. Dill mit der ehrwürdigen alten u. verwitterten Fahne Niederstettens die neuen Kyffhäuserflaggen. Mit einem ernsten Appell an die Fahnenträger schloß er seine von tiefem Ernst getragenen Ausführungen. Spontan fielen dann die Festteilnehmer auf das von Kreisführer Fritsch auf Führer und Vaterland ausgebrachte Sieg Heil ein. — Der offizielle Teil war beendet und unter schattigen Bäumen fanden sich dann die Kameraden zum frohen Zusammensein. Besondere Ueberraschung und Freude löste der von den Burschen und Mädchen unter Leitung von Vereinsführer Knenlein in den malerischen Kostümen aufgeführte historische Winzertanz aus. Lange noch blieben die Festteilnehmer bei frischer Marschmusik beieinander. Für die Einheimischen und solche, die keinen allzugroßen Heimweg hatten, war abends noch gesellige Unterhaltung auf dem mit Scheinwerfern beleuchteten Festplatz. Alle Teilnehmer werden gerne an den schönen Kreiskriegertag in Niederstetten zurückdenken. Dem veranstaltenden Verein, insbesondere seinem Führer und seinem Mitarbeiterstab, Dank und Anerkennung.

    Der Franke, Nr. 152, 4. 7. 1934

    SAR: SA-Reserve?

  • 4. November 1935. Angliederung des Niederstettener Stützpunkts des Deutschen Luftsportverbands

    Niederstetten, 4. Nov. Der Stützpunkt Niederstetten des Deutschen Luftsportverbandes, welcher bisher zur Ortsgruppe Künzelsau gehörte, wurde am Samstag abend der Ortsgruppe Schwäb. Hall angegliedert. Aus diesem Anlasse war Ortsgruppenleiter Roesler der Ortsgruppe Künzelsau und Ortsgrf. Schäfer der Ortsgruppe Hall mit zahlreichen Kameraden nach Niederstetten gekommen. Der Uebergabeakt fand im fürstlichen Marstall statt, in welchem die Werkstätte des Stützpunktes untergebracht ist. Einem Propagandamarsche durch die Stadt folgte anschließend ein Kameradschaftsabend im Lokal Melber. Ortsgrf. Roesler begrüßte die Anwesenden, unter welchen sich viele Gäste anderer Formationen und Organisationen befanden und gab einen Ueberblick über das bisherige Schaffen des Stützpunktes Niederstetten; ein beinahe fertiges Segelflugzeug zeuge von dem Fleiße. Leider seien die Arbeiten nur langsam vorangegangen, da die Reihen der Angehörigen bald wieder auseinandergerissen wurden. In weiteren Worten wies er auf die Bedeutung der Segelfliegerei hin und betonte, daß dieselbe durch die Wehrfreiheit absolut nicht überflüssig geworden sei, sondern im Gegenteil den Einsatz aller Kräfte benötige. Seine Einladung an die anwesenden Gäste zum Beitritt als passive Mitglieder war von gutem Erfolg gekrönt. Ortsgrf. Schäfer-Hall, Bürgermeister Schroth und Ortsgruppenleiter der NSDAP., Thomas-Niederstetten, sagten ihre Mitarbeit am weiteren Ausbau des Stützpunktes des DLV. in ihren anschließenden Ausführungen zu, da doch Niederstetten für die Fliegerei ganz besonders günstige Verhältnisse hätte. Ein Film zeigte die Einweihung der Fliegerschule Hornberg. Kameraden der Ortsgruppe Hall brachten durch humorvolle Lichtbilder aus dem eigenen Fliegerleben Stimmung in den Abend. Möge dem Stützpunkt Niederstetten des DLV. durch neue Arbeitskräfte frischer Impuls und segensreiches Wirken für. unseres Vaterlandes Größe beschieden sein.

    Der Franke, Nr. 259, 5. 11. 1935

  • 5. Dezember 1935. Einweihung der Schulküche

    Niederstetten, 5. Dez. (Einweihung der Niederstettener Schulküche.) Noch ist es erst 1 1/2 Jahre her, seit Niederstetten Schulhauseinweihung feierte und schon wieder lud es zu einer Schulfeier ein: zur Eröffnung seiner hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule. Auf die Anregung von Herrn Schulrat Weikert, der tatkräftig für die Forderungen des württ. Kultministeriums eintrat, Schulküchen zu errichten, war im Frühjahr durch den Zusammenschluß der acht Gemeinden Niederstetten, Oberstetten, Wildentierbach, Vorbachzimmern, Wermutshausen, Pfitzingen, Herrenzimmern, und Adolzhausen, der hauswirtschaftl. Schulverband gegründet worden. Da der Staat einen wesentlichen Teil der laufenden Kosten übernimmt und überdies die Lehrerin noch in Niederstetten und drei weiteren Orten Handarbeitsunterricht erteilt, kommen die Gemeinden finanziell sogar noch günstiger weg als bei der bisherigen Regelung. Im Oktober wurde eine Fachlehrerin bestellt, nachdem zuvor die räumlichen Veränderungen im alten Schulhaus getroffen waren. Hier erhalten nun seit kurzem die fortbildungsschulpflicht. Mädchen der Verbandsgemeinden, zusammen 75, in fünf Abteilungen, je einen Vormittag hauswirtschaftlichen Unterricht. Zur Eröffnung am letzten Montag waren neben den Bürgermeistern, Lehrern und Ratsherren sowie dem Ortsgruppenleiter der NSDAP., noch eine Anzahl Gäste erschienen, zur besonderen Freunde der Anwesenden auch Herr Schulrat Weikert.

    Nach der in nassem Schneetreiben vorgenommenen Flaggenhissung begann die Feier im künftigen Raum für den theoretischen Unterricht. Bürgermeister Schroth begrüßte die erschienenen Gäste. Er freute sich, sie heute hier zu sehen, wenn Niederstetten eben darangegangen sei, den letzten Schritt in seinem Schulwesen zu tun, auf dem es in einer langen Reihe von Jahren kaum mehr Aufgaben zu lösen gebe. Das alte Schulhaus sei nun nicht, wie ursprünglich geplant, ein Krankenhaus geworden, sondern habe sich als günstig erwiesen für die Schaffung einer Schulküche mit entsprechenden Nebenräumen. Er danke besonders Herrn Schulrat Weikert, der ihm mit Rat und Tat bei der Durchführung der Aufgabe, beigestanden, sowie den Vertretern der Verbandsgemeinden für ihr Verständnis. Dann übergab er die Schulküche mit Einrichtung dem Schulvorstand, Oberlehrer Wahl, mit der Bitte, sie in treue Obhut zu nehmen. Zum Schluß betonte Bürgermeister Schroth, wenn es mit der Gründung der neuen Schule so rasch gegangen sei, so sei das auch unserem nationalsozialistischen Staat zu danken, der sich tatkräftig für die beste Bildung unserer Jugend einsetze. Mit einem "Sieg-Heil" auf den Führer schloß er seine Ausführungen.

    Oberlehrer Wahl brachte als Schulvorstand und im Namen des Ortsschulrats allen, die zur Gründung und Einrichtung der neuen Schulküche beigetragen hatten, den Dank zum Ausdruck, besonders Herrn Schulrat Weikert, aber auch den Vertretern der Gemeinden mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Schroth, sowie der Ministerialabteilung für die Volksschulen für die finanzielle Mithilfe. Schon vor sechs Jahren hätten die Lehrer des Bezirks Gerabronn die Gründung hauswirtschaftlicher Schulverbände angestrebt. Was damals nicht erreicht werden konnte, sei heute, im Reich Adolf Hitlers, fast mühelos gegangen. Dann übernahm Oberlehrer Wahl die Schulküche aus den Händen der Stadtverwaltung in die Obhut der Schule und übergab sie der ersten Fachlehrerin der neuen Schule, Fr. Meißner, mit der Bitte um schonende Behandlung. Die neue Schule möge auch künftig ein Schmuckkästlein bleiben. Den Schülerinnen sagte er, wenn sie als Hausfrauen und Mütter später das Gelernte in der kleinsten Zelle, in der Familie, zur Anwendung brächten und ihre Pflicht dort treu erfüllen, dann hätten sie das Höchste geleistet, was man von ihnen verlangen könne und müsse, nämlich Dienst am Volk.

    Herr Schulrat Weikert sprach ausführlicher über Aufgaben und Ziele der hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulen. Er betonte, welche gewaltige volkswirtschaftliche Bedeutung die deutsche Hausfrau habe, durch deren Hände der größte Teil des Volkseinkommens fließt. Die Frau könne im Schurz mehr aus dem Haus tragen, als der Mann im Schubkarren hereinführen. Deshalb sei es Pflicht der Gemeinden und des Staates, die weibliche Jugend für ihre späteren Hausfrauenpflichten gut vorzubereiten. In humorv. Weise wußte er darzulegen, wie das harmonische Zusammenleben in der Ehe, eben auch von äußeren Dingen abhänge und wie gute hausfrauliche Fähigkeiten im Kochen und Wirtschaften unter allen Umständen gute Vorbedingungen für die Gründung eines geordneten Hausstandes seien. Wer in dieser Schule viel lerne und es dann daheim verwirkliche, der leiste seine Pflicht innerhalb der Volksgemeinschaft. Anschließend fand die Besichtigung der neues Räume statt, der sich noch eine kleine Nachfeier in der "Post" anschloß. So hat nun Niederstetten den Schlußstein in sein Schulwesen eingefügt. Mit Stolz kann es auf das Geschaffene auf diesem Gebiet blicken. Möge auch dieser letzte Schritt, geradeso wie dies beim Schulhausneubau der Fall war, anregend wirken und zur Nacheiferung zwingen. Möge aus der neuen Schule sich ein reicher Segensstrom ergießen in Familie und Gemeinden, zum Wohle unseres heranwachsen den Geschlechts!

    Der Franke, Nr. 286, 7. 12. 1935

  • 5. November 1936. Einzug Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und Gemahlin auf Schloß Haltenbergstetten

    Niederstetten, 5, Nov. Am Dienstag Nachmittag hielt das neuvermählte Fürstenpaar, Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und dessen angetraute Gemahlin, Fürstin Sissi, geb. Gräfin Geldern-Egmont auf Schloß Haltenbergstetten feierlichen Einzug, An dem festlich und mit viel Liebe und Sorgfalt geschmückten Schloßhofe entbot den ersten Willkommgruß Rentamtmann Fischer namens der Verwaltung. Im Namen der Schloßkirchengemeinde begrüßte sodann Stadtpfarrer Maier das junge Paar, Bürgermeister Schroth war mit den Ratsherren und Beigeordneten erschienen, um die Glückwünsche der Stadt Niederstetten darzubringen. Die drei Gratulanten ließen je durch ein kleines Mädchen der aufziehenden Fürstin einen Rosenstrauß überreichen, Ortsgruppenleiter Thomas der NSDAP, überbracht seinem Parteigenossen Fürst Albrecht zu Hohenlohe die Glückwünsche der Ortsgruppe. Das Fürstenpaar war über den schlichten, aber doch sehr herzlich gewidmeten Empfang gerührt und der Fürst dankte den begrüßenden Herren in kurzen Worten. Abends um 9 Uhr brachte der Männergesangverein Niederstetten in Anwesenheit einer überaus großen Zahl von hiesigen Gemeindebürgern im Schloßhof einige passende Lieder dar, der Schloßhof bot im Scheine der Fackeln und der Dekoration ein prächtiges Bild, das dem Ständchen ein schönes und feierliches Gepräge gab. Für die Ehrung dankte der Fürst auch namens seiner jungen Frau in geziemenden Worten. Dem jungen Fürstenpaar möge ein glückliches und freudiges Eheleben auf Schloß Haltenbergstetten beschieden sein.

    Der Franke, Nr. 259, 5. 11. 1936

  • 5. Oktober 1931. Bericht vom Herbstfest

    () Niederstetten, 5. Okt. Das herrlichste Wetter war unserem Herbstfest beschieden. Da war es fast selbstverständlich, daß nicht nur der Niederstettener feierte, sondern daß ein großer Fremdenzuzug unsere Stadt belebte. Den Festzug, an welchem der Gemeinderat und alle Vereine teilnahmen, belebte die farbenprächtige Gruppe der Winzer und Winzerinnen und auch die „Fünfziger“ gingen als Ehrengäste mit dem Festzuge. Die Stadtkapelle (Rummler) spielte flott voraus. Auf dem Festplatz entbot Herr Bürgermeister Schroth den Willkommgruß der Stadt und der Vereine. Er wies auch auf das wachsende Heimatsgefühl hin und begrüßte damit die zum Fünfzigertag eingetroffenen zahlreichen Gäste. Es sei heute wohl keine Zeit Feste zu halten. Das Heimatsfest soll ein kein rauschendes Fest sein. Es soll alle Jahre den Abschluß der landwirtschaftlichen Arbeiten und auch der Arbeit in den Vereinen darstellen. Es sei heute kein Anlaß zu verzweifeln. Auch vor hundert Jahren waren schlimme, oft sogar noch schlimmere Zeiten als heute. Das Herbstfest soll nun alle Jahre die Einigkeit der Konfessionen und der Berufsstände in unserer Stadt bezeugen. Wenn wir an dieser Einigkeit festhalten, dann wird es uns gelingen uns und unsere Stadt in diesen gefahrvollen Zeiten durch [Textverlust] Weisen. Dann traten die Winzer zum Tanze an. Auch wer den Winzertanz schon ein- oder mehreremale gesehen hatte, war begeistert von dessen schöner Durchführung. Mit Eintritt der Nacht erstrahlte Schloß und Schloßberg in magischer Beleuchtung. Zum Festball vermochte die große Turnhalle kaum die große Zahl der Besucher zu fassen. So nahm das Fest in allen Teilen einen schönen und einträchtigen Verlauf.

    Vaterlandsfreund, Nr. 233, 6. 10. 1931

  • 6. Februar 1935. Hausangestellte Sofie Hain geehrt - Kriegsehrenkreuze übergeben

    Niederstetten, 6. Febr. Dieser Tage waren es 40 Jahre, daß die Hausangestellte Sofie Hain im Hause der Familie Streitberger becchäftigt ist. Es ist dies ein schöner Beweis des gegenseitigen Vertrauens und der Treue. — Am Samstag wurden in Verbindung mit einem Kameradschaftsabend des hiesigen Gesangvereins und der Chorleiter des Hohenlohe-Sängerkreises etwa 130 Kriegsehrenkreuze an ehemalige Frontsoldaten und an Hinterbliebene von Gefallenen in würdiger Weise übergeben. Herr Bürgerm. Schroth sprach einleitende Worte der Begrüßung und gedachte hiebei des Stifters des Ehrenkreuzes und der Gefallenen. Der erste Kreisführer Hummel erwiderte dankend und betonte besonders die Verbundenheit von Gesang und Soldat. Der Abend war durch Liedvorträge des "Liederkranzes" angenehm ausgestaltet.

    Der Franke Nr. 31, 6. 2. 1935

  • 6. Oktober 1931. Fünfzigerfeier

    () Niederstetten, 6. Okt. Einen schönen und gemütvollen Auftakt zu unserem Herbstfest bildete die am Samstag abend im Melber'schen Saale abgehaltene „Fünfzigerfeier“. Von weit und breit waren die „81er“ gekommen, um mit ihren hiesigen Altersgenossen einen Tag der freudigen Erinnerung zu begehen. Herr Schreinermeister Meider hielt die Begrüßungsrede. Ein junges Mädchen trug folgenden, von Herrn Max Stern den „Fünfzigern“ gewidmeten Prolog vor:

    Meistens ist des Lebens Mitten
    Mit den „Fünfzig“ überschritten.
    Einen Tag sucht sich der Geist
    Auszuruhen da zumeist.
    Rück- und Ausblick will er halten
    Was in unseres Lebens Walten
    Gut war — war Erfolg gekrönt —
    Was das Dasein uns verschönt.
    Auch was uns im Leid erregt
    Die Gedanken dann bewegt. —
    Wie wir eint die Schulbank drückten —
    Und wir dann ins Leben rückten.
    Wie der Lehrling angefangen —
    Die Gesellenzeit vergangen —
    Bis nach altem, rechtem Brauch
    Selbst wir wurden Meister auch.
    (Und nach diesem Lebenslauf
    Bauet jeder Stand sich auf).
    Oder wie im Haufe drinnen
    Schulte sich der Mädchen Sinnen,
    Bis, nach Kindes Tanz und Spiel
    Strebt ihr Sinn nach höh'rem Ziel.
    Bis dann in den zarten Banden,
    Wir uns in die Ehe fanden.
    (Oder wie wir nach Belieben
    Ledig und allein geblieben).
    Die Gedanken gehen weiter —
    Ehetage, ernst und heiter,
    Treten ins Erinnern ein.
    Und wir schaffen für ihr Glück,
    Eh' wirs denken sind sie flügg.
    Dann des Krieges Grauen — Beben,
    Und des Nachkriegs schwer Erleben —
    Alles will bedacht wohl sein
    Stellen sich die Fünfzig ein.
    Eines von den größten Uebeln
    Aber ist allein zu grübeln.
    Schöner ist's, dem Freund zu lauschen
    Und Erinnerung auszutauschen.
    Dazu, ferne Schwestern, Brüder
    Luden euch zur Heimat wieder
    Treue Freunde. — Eurem Kommen
    Bieten herzlich wir Wilkommen.
    Auch euch Freunden, die hier leben
    Froher Willkomm sei gegeben.
    Dieser Stunden froher Reigen
    Soll uns allen innig zeigen,
    Daß, wie in der Jugend Tagen,
    Unsre Herzen einig schlagen.
    Jugend laßt heraufbeschwören,
    Von der Jugend laßt uns hören!
    Was ihr trachtet — sprechet — treibt —
    Laßt uns in die Augen schauen!
    Hebt die Gläser, Männer, Frauen!
    (Vorbachtäler gibt's ja noch)
    Jahrgang Einundachtzig Hoch!

    Den Kernpunkt des Abends bildete ein vorzüglicher Vortrag des Herrn Bürgermeister Schroth über "Niederstetten in den letzten 50 Jahren". Herr Bürgermeister Schroth ging von der Bevölkerungsbewegung jener Zeit aus, deren zahlreiche Geburten er im Vergleich zu unserer Zeit stellte. Dann gab der Redner ein genaues Bild aller wichtigen Vorkommnisse seit jener Zeit. Neubauten, Straßen und Wasserbauten, Ueberschwemmungen, Weinjahre, gute und schlechte, Stadtschultheißenwahlen, Kriegszeiten, Wasserleitungsbau, Vereinsleben und viele andere im Leben der Stadt wichtige Ereignisse fanden Erwähnung. Kein Wunder, daß den alten Niederstettenern, welche zum Teil viele Jahrzehnte ihre Heimat ferngeblieben waren, das Herz in alter Liebe zur Heimat warm wurde. – Herr Schlossermeister Fischer verlas viele eingegangene Schreiben von "50ern", welche verhindert waren, zu kommen. Auch aus dem Ausland waren Kundgebungen von Heimattreue, zum Teil begleitet von wertvollen Geldgeschenken, eingelaufen. Ein musikalisches u. gesangliches Programm, sowie der gemeinschaftliche Gesang von Heimatliedern verschönte den Abend und schwer wurde den Teilnehmern das Auseinandergehen. Alle Teilnehmer aber werden den Samstag als schöne Erinnerung noch lange nicht vergessen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 234, 7. 10. 1931

  • 7. April 1930. Wahlversammlung des Bauern- und Weingärtnerbundes - Schußentlaßfeier Gewerbeschule

    Niederstetten, 7. April. Wohl als Auftakt für die möglicherweise in Bälde stattfindenden Reichstagswahlen hat am Sonntag der Bauern- und Weingärtnerbund zu einer Versammlung in den Löwensaal eingeladen. Referent war der alte Führer des Bundes, Herr Theodor Körner, Landtagsabgeordneter. Der Löwensaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Namens des Bauern- und Weingärtnerbundes, Ortsgruppe Niederstetten, begrüßte Herr Lagerhausverwalter Glaser die Versammlung und übertrug den Vorsitz an Herrn Landtagsabgeordneten Klein. Herr Klein führte aus: In den Wirrnissen der Politik unserer Tage müssen die Bauern einem alten Bauernführer, wie es Herr Körner ist, doppelt dankbar für seine Tätigkeit sein. Auch in unserer Gegend ist das politische Leben rege und besonders die nationalsozialistische Arbeiterpartei hat um sich gegriffen. Wenn man heute den Wirrwarr der Parteien sieht, so ist es bedauerlich, daß diese Partei bemüht ist, diesen Wirrwarr zu vergrößern und daß sie gerade da eindringen wollen, wo die besten nationalen Kräfte sitzen. Sie würden besser ihre Tätigkeit unter die Sozialisten in die Städte verlegen. Sie richten nur Unheil an, denn sie sind nicht so stark und werden auch nicht so stark, daß sie ohne Umsturz und Blutvergießen den nationalsozialistischen Staat in die Wirklichkeit umsetzen könnten. Um Wiederholungen zu vermeiden, schicke ich voraus, daß in der Diskussion Herr Klein den Nationalsozialisten vorwarf, daß sie gegen ihn in ihren Versammlungen mit Unwahrheit kämpfen und daß der Referent, Herr Körner die Bauernjugend warnte, sich mit Musik und Fahnen verführen zu lassen, vom rechten Weg des Bauernbundes abzuweichen. Denn die nationalsozialistische Arbeiterpartei stimme wohl in nationalen Dingen mit der Rechten. Aber in allen Fragen der Interessen der Landwirtschaft stimme sie im Wettbewerb mit Sozialisten und Kommunisten und dies sei auch in anderen Dingen, wie Versicherungsfragen etc. der Fall. Während die Nationalsozialisten gegen den Bauernbund wegen zu großer Beamtenaufbesserung hetzen, hätten im Landtag ihre Abgeordneten dafür gestimmt und dem Bauernbund Vorwürfe gemacht, weil er ihnen nicht weit genug ging. Das Hauptreferat des Herrn Landtagsabgeordneten Körner behandelte die Frage: " der deutschen und der württembergischen Landwirtschaft". Herr Körner führte ungefähr aus:

    Er sei gerne in einer Zeit hierhergekommen, wo so viele Fragen auf Antwort warten. Das Leben sei ein Kampf - auch das politische Leben. Es habe keinen Zweck, diesen Kampf aus dem Wege zu gehen, aber auch starke Worte an Biertisch haben keinen Zweck. Wie der Kampf des Landwirtes gegen das Unkraut gehe, so sei dies oft in parlamentarischen Kämpfen der Fall. Man fragt: "Mußte alles kommen, wie es gekommen ist?" u. besonders unsere Bauernjugend sieht mit Ungewißheit in die Zukunft. Wenn man die Zukunft aber verstehen will, muß man in die Vergangenheit blicken, denn nur aus Lebenserfahrung kann man lernen. Ein kurzer Rückblick: Im alten, von Bismarck geschaffenen Reichstag, war Generalfeldmarschall Moltke Abgeordneter. Er sprach wenig. Als man aber Ende der 70er Jahre vom Freihandel zum Schutzzoll überging, stand Moltke auf und sagte: Wenn wir mit unserer Ernährung von fremden Ländern abhängig werden, dann haben wir den nächsten Krieg verloren, ehe der erste Kanonenschuß fällt. So ist es auch gekommen. Der Weltkrieg ging durch unsere Umstellung zum Industriestaat und durch Verkümmerung der deutschen Landwirtschaft verloren. Die Grundlagen der Freiheit eines Staates liegen in seiner Landwirtschaft. Aus der jetzigen Lage kommen wir erst heraus, wenn man auch in den Großstädten und auch in Berlin einsieht, daß ohne eine gute Landwirtschaft kein Staat frei sein und selbständig handeln kann. Der Kampf für die Landwirtschaft ist daher der Kampf für das Bestehen eines Volkes. So hat sich denn im Reichstag die grüne Front gebildet, deren Zweck es ist, der deutschen Landwirtschaft die Existenzgrundlage zu sichern. In der Landwirtschaft geht alles langsam – ackern – säen – wachsen – ernten. Auch in der Politik ist es so und der politische Acker ist am schwersten zu bearbeiten. Wenn heute die grüne Front 100 Abgeordnete zählt, so ist das eine Minderheit, welche mit allen möglichen Mitteln für ihre Ziele bei den anderen werben muß. Man kommt da nicht ohne Kompromisse aus und man muß oft das kleinere Übel nehmen, um das größere zu verhindern. Herr Landtagsabgeordneter Körner sprach dann über die Kämpfe um die neue Steuerordnung im Landtag. Diese Ausführungen decken sich mit denen, die Herr Körner am Gerabronner Pferdemarkt gemacht hat und über die wir am 7. März schon ausführlich berichtet haben. Dann wandte sich der Redner den Kämpfen im Reichstag zu. Vor Weihnachten hat der Reichstag mit Hilfe der Sozialdemokratie die gleitenden Zölle eingeführt. Dieses System ist zu unsicher. Auch wenn man 13 M als Normalpreis für den Weizen annimmt, steht dieser Preis weit unter dem Rentabilitätspreis von 15 R.M. für 50 Kilo Weizen, denn die Kaufkraft des Geldes ist schlechter geworden. Man bekommt heute für 15 M für ein Zentner Weizen nicht viel andere Waren, als vor dem Kriege 10 oder 12 M. Der Index der Löhne ist um 150-200 Prozent gestiegen. Für 15 Zentner Kartoffel bekam man vor dem Kriege einen Anzug, heute braucht man 45 Zentner dazu. Auf dem Gebiete der Preisbildung ist dem Landwirt nur durch eine entsprechende Zollgesetzgebung zu helfen, wenn 15 M für den Zentner Weizen und 12 M für Gerste bezahlt worden wären, dann wäre manche Not, in welcher wir heute stehen, nicht so dringend geworden. Die Ueberproduktion an Zucker muß eine Einschränkung des Rübenbaues zur Folge haben. Auch auf anderen Gebieten gibt es ernste Befürchtungen. Die Ueberproduktion an Milch verursachte ein Fallen der Preise und hatte Absatzschwierigkeiten im Gefolge. Die Zollerhöhung für Butter steht nur auf dem Papier und kann erst in Kraft treten, wenn der Handelsvertrag mit Finnland aufgehoben oder geändert worden ist. Man hat den Landwirten Umstellung auf Viehzucht mit billigen ausländischen Futtermitteln empfohlen. Eine unsinnige Ueberproduktion wäre die Folge. Zudem überschwemmt zollfrei eingeführtes Gefrierfleisch Deutschland. Holland, Polen. Dänemark warten nur darauf, uns mit Schweinen zu überschütten. Die Türe muß zugemacht werden, es muß erklärt werden, wir können unseren Bedarf selbst erzeugen. Die jetzige Regierung soll nach dem Rechten sehen und dafür sorgen, daß die Zölle nicht nur auf dem Papier stehen. Wenn wir diese Förderungspolitik vom Reich verlangen, sorgen wir nicht nur für uns, sondern auch durch Hebung der Kaufkraft für den Arbeiter. Niemand kann sich mehr einschränken als der Bauer und wenn ihm das Geld fehlt, ist kein organisierter Käuferstreik (Redner ist gegen einen solchen) nötig, das ist dann aus der Not der Zeit geborener Käuferstreik. Der Sparer braucht sich heute in Deutschland vor keiner Inflation fürchten, die Aufsicht des Auslandes bewahrt ihn davor. Aber wir werden erleben, daß das Geld immer knapp und teuer sein wird. Man sucht die Kapitalbildung zu fördern. Dieser ist aber der Youngplan im Wege mit seiner durchschnittlichen Belastung von 2 Milliarden Mark im Jahre.

    In einem Volke lebt man miteinander. Wenn es dem Landwirt gut geht, geht es allen anderen gut, denn die Landwirtschaft erzeugt immer neue Werte. Je unabhängiger ein Volk in seiner Ernährung vom Auslande ist, desto besser ist sein innerer Markt. In Abhängigkeit kommen wir aber, wenn wir nur die Exportindustrie fördern. Denn das Ausland will unsere Ausfuhr nicht mit Gold, sondern mit seinen landwirtschaftlichen Ueberschußprodukten bezahlen. Die Entwicklung wird dahin gehen, daß sich die Industrie in gewissen Grenzen halten muß, wenn wir keinen beschränkten Export haben. So muß man umso besser für den inneren Mark sorgen. Wir haben die Pflicht zu warnen und uns zusammenzuschließen. Wir haben dafür zu sorgen, daß wir gehört werden. Eigene Pflichterfüllung ist Voraussetzung, wenn wir Staatshilfe verlangen. Die alten Parteien verschwinden, heute schließen sich die Stände zur Wahrung ihrer Interessen zusammen. Herr Körner hat die Überzeugung, daß sich die Standesvertretungen ganz gut zusammen finden könnten. Auch im Landtag hat dies die demokratische Partei eingesehen. Wir vom Bauernbund könnten uns ganz gut mit Handwerkern und Kaufleuten unter dem Motto: "Leben und leben lassen" zusammenfinden. An der Bewegung der Zeit sehen wir, daß der Bauernstand einig sein muß, weitere Zersplitterung in Parteien und Uneinigkeit muß vermieden werden. (Hier spricht Herr Körner, wie einleitend angeführt, über die nationalsozialistische Arbeiterpartei). Wenn der Bauernstand einig ist, hat er Kraft und kann die Macht verlangen und wo keine Macht ist, ist auch kein Recht. Das empfindet auch Deutschland. Wenn wir auch viel Macht eingebüßt haben, die Zahl ist da und wenn sie einig wäre, wäre auch jetzt noch unsere Macht groß. So ist aber der Haß der Parteien untereinander größer als der Haß gegen unsere Feinde. Wir haben es in der Hand, mächtig zu sein. So sollen die Bauern einig im Bauernbund zusammenstehen. Nach der Verfassung geht die Macht vom Volke aus. Darum muß jeder seine Kräfte wirken lassen, durch Ausübung seines Wahlrechtes, um mit vereinten Kräften an der Herbeiführung bessere Zeiten zu helfen. Allerdings – über Staatshilfe und Selbsthilfe stehe die Hilfe von oben und in Not und Sorge soll Man nicht auf die Hilfe von Menschen, sondern auf die Macht des Höchsten bauen. (Starker Beifall).

    Die folgende Debatte zwischen den Rednern des Bauernbundes und Herrn Beck-Wildentierbach (Nat.-Soz.-Arbeiterpartei) ist bereits am Anfang des Berichtes kurz angeführt. Einige markante Worte Herrn Körners aus dieser Diskussion sollen noch Platz finden: Nur sechs Millionen Deutsche stimmten gegen den Youngplan und wie nach dem Kriege 90 Prozent aller Deutschen Frieden um jeden Preis wollten, so haben also auch jetzt die Mehrzahl des Volkes den Youngplan gewollt. Wir dürfen jetzt nicht rückwärts, wir müssen vorwärts schauen und uns bemühen, diese schweren Bedingungen aufzuheben, aber auf dem Wege der Nat.-Soz.-Arbeiterpartei bringen wir dies nicht fertig. (Zwischenruf: Futterkrippe). Darauf erwidert Landtagsabg. Körner, dieser Zwischenruf hätte nicht fallen dürfen. Denn Herr Frick sei aus Bayern als Minister nach Thüringen geholt worden. Des Redners Partei wollen nicht revolutionieren, sondern reformieren. Reformation ist schwerer, aber sicherer als Revolution.

    Nachdem auch Herr Herrmann-Blaufelden, Vorstand des Landw. Bezirksvereins Gerabronn und Herr Ehrmann-Gerabronn, Vorsitzender des Bezirkes Gerabronn des württ. Bauern- und Weingärtnerbundes, die Ausführungen des Hauptreferenten mit bei fällig aufgenommenen Reden unterstrichen hatten und Herr Landtagsabgeordneter Klein-Vorbachzimmern dem Hrn. Landtagsabgeordneten Körner den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, schloß Herr Klein die Versammlung.

    () Niederstetten, 7. April. Am Sonntag fand im vollbesetzten Saal des Gasthauses Melber die Schlußfeier der Gewerbeschule Niederstetten und Blaufelden statt. An dem regen Besuch, den dieselbe aufzuweisen hatte, sah man, daß alle Kreise großes Interesse an dem Gewerbeschulwesen haben. Nach einem einleitenden Gedicht "Üb immer treu und Redlichkeit" eröffnete Herr Schulvorstand Striegel die Schlußfeier. Er begrüßte zunächst die Erschienenen und richtete hierauf einige ermahnende Worte an die Schüler, die nun die Gewerbeschule verlassen. Hierauf sprach er von der engen Zusammenarbeit, die zwischen Meister und Schule herrschen muß. Am Schluß seiner Rede gab Herr Schulvorstand Striegel noch den Jahresbericht für das Schuljahr 1929/30. Es besuchten in diesem Jahre 140 Schüler die beiden Schulen Niederstetten und Blaufelden. Hiervon entfallen 65 auf Niederstetten und 75 auf Blaufelden. Er erwähnte auch noch die Schwierigkeiten, die dadurch entstanden sind, daß anstatt drei nur noch zwei Lehrer an den Schulen tätig sind. In diesem Jahre verlassen 38 Schüler die beiden Schulen. Es sind dies 18 in Blaufelden, 12 in Niederstetten und 8, die zur Schneiderfachklasse gehören. Anschließend an die Rede wurden einige Gedichte vorgetragen. Ein Schüler hielt ein Referat über "Das Ausrüsten der Leinen- und Baumwollstoffe". Er erklärte in wirklich netter Weise die Arbeit, die noch nötig ist, um den gewebten Stoff verarbeitungsfähig machen. Herr Schulvorstand Striegel sprach dann einige kurze Worte über Zunftgebräuche. Ein Schüler erzählte hierauf eine witzige Geschichte in Mundart. Darnach erfolgte die Preisverteilung. Preise erhielten in der zweiten Klasse in Niederstetten: Hohl, Haag und Merz; in Blaufelden: Räderich Hermann, Gabel Karl, Friedrich Hermann und Robert Hohl. In der 3. Klasse in Niederstetten: Scheu und Blumenstock; in Blaufelden: Schmelcher, Schüttler und Mayer. In der Schneiderfachklasse erhielten einen Preis Albert Schmitt-Niederstetten und Gerhard Grabert-Bad Mergentheim. In der ersten Klasse wurden als beste belobt: Georg Dreher und Otto Schäfer. Preise wurden gestiftet von der Stadtgemeinde Niederstetten, dem Gewerbeverein Blaufelden und der Schneiderinnung der Oberämter Mergentheim und Gerabronn. Nach der Preisverteilung ergriff Herr Stadtschultheiß Schroth-Niederstetten das Wort. Er wies darauf hin, daß es zur Notwendigkeit geworden ist, den angehenden Handwerker auch theoretisch auszubilden, denn der schwere Existenzkampf zwingt den Menschen, der es zu etwas bringen will, dazu. Herr Schultheiß Waldmann-Blaufelden sprach dann noch einige kurze Worte über den Segen der Arbeit zu den Schülern. Gegen Schluß seiner Rede betonte er das gute Einvernehmen in der Gewerbeschulsache zwischen den Gemeinden Niederstetten und Blaufelden. Nun hielt Herr Ingenieur Weller einen Vortrag über den Werdegang eines Autos. An einigen sehr schönen Lichtbildern erklärte er den Anwesenden in leicht verständlicher Weise die verschiedenen Arbeitsphasen der Herstellung eines Autos. Er erklärte dabei all die technischen Vorteile des laufenden Bandes. Er zeigte dann noch die verschiedenen Autotypen. Ein besonders großes Interesse wurde seinen Ausführungen entgegengebracht. Herr Schulvorstand Striegel schloß hierauf die so schön verlaufende Schlußfeier. – Anschließend daran war eine Führung in der Ausstellung der Schneiderfachklasse in den Räumen der Gewerbeschule. Auch diese auf ein Fach spezialisierte Ausstellung hat viel für sich. Wir erkennen an Zeichnungen und Stoffen, wie der Schüler in den Geist der Arbeit eingeführt wird, er lernt den Sinn der einzelnen Kleidungsstücke kennen, er wird mit Stoff und Zutaten vertraut. Aus dem Heften ersehen wir, wie er rechnen, kalkulieren lernt, wie er unterrichtet wird und wie der einzelne Schüler die Arbeit erfaßt. Zusammenfassend zeigte die Schlußfeier der Gewerbeschule Niederstetten-Blaufelden, daß das letzte Jahr ein recht erfolgreiches Jahr der Arbeit an unserer heranwachsenden gewerblichen Jugend war. Schlußfeier und Ausstellung werden auch dazu beitragen, das Verständnis für die Schule in immer weitere Kreise zu tragen.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 82, 8. 4. 1930

  • 7. Dezember 1936. 50. Geburtstag von Bürgermeister Jakob Schroth

    Niederstetten, 7. Dez. Dieser Tage wurde Bürgermeister Schroth 50 Jahre alt. Der größte Teil seines beruflichen Wirkens war bis jetzt der Stadtgemeinde Niederstetten gewidmet. An die 20 Jahre amtiert er nun in hiesiger Gemeinde als Stadtvorstand. Der Gemeinderat hat darum in seiner Sitzung am Samstag Veranlassung genommen, in einfacher, schlichter Feierstunde im blumengeschmückten Rathaussaal seinem Bürgermeister unter Würdigung seiner Verdienste in der Gemeinde seine Glückwünsche darzubringen. Es wurde dabei erwähnt, daß er einer unseres Blutes und unserer Art sei. Neben dem, daß Bürgermeister Schroth das allgemeine Vertrauen und die Wertschätzung der ganzen Gemeinde genieße, verbänden ihn auch Bande freundschaftlicher Art von Jugend her. Es besteht darum in hiesiger Gemeinde der Wunsch, daß die kommissarische Tätigkeit unseres Bürgermeisters, die er nun schon seit fünf Monaten in Herrenberg auszuüben hat, in Bälde ihr Ende finden möge, damit er seiner verwaisten Heimatgemeinde wieder voll und ganz dienen könne. Bürgermeister Schroth dankte in bewegten Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Im Anschluß hieran machte er dann noch Ausführungen über seine derzeitige Amtstätigkeit. Ueber seine künftige Verwendung wird demnach höheren Orts verfügt.

    Der Franke, Nr. 285, 7. 12. 1936

  • 7. Januar 1930. Jugendturner und Schülerturner

    () Niederstetten, 7. Jan. Mit einem Abend der Jugendturner und Schülerturner (natürlich auch Turnerinnen) des Turnvereins schloß hier die Zeit der Weihnachtsfestlichkeiten. Der Vorstand des Turnvereins, Herr Karl Streitberger, hielt die Begrüßungsrede. Das flott entwickelte Programm brachte viele Abwechslung. Sehr schön waren die Gruppenbilder, welche ein Vorspruch einleitete. Ein kleines Mädchen trug prächtig ein großes Dialektgedicht vor. Prächtig spielte auch die Jugend in dem Theaterstück „Tausendhändchen“. Voll Verständnis, Leben und mit ausgezeichneter Sprache wurde das Stück gegeben. Gut spielte auch die „Hauskapelle“ des Turnvereins ein schönes Weihnachtspotpourri. — Selbstverständlich wurde auch turnerisch sehr viel und sehr Gutes geboten. Freiübungen, Volkstänze, Hallenspiele, Geräteturnen und manche andere Uebungen zeigten, daß unsere Kleinen fleißig üben und unter guter Leitung einen hoffnungsvollen Nachwuchs abgeben. So herrschte denn große Begeisterung als der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Stadtschultheiß Schroth den Dank der Eltern für die guten und schönen Leistungen des Abends zum Ausdruck brachte.

    Vaterlandsfreund, Nr. 6, 9. 1. 1930

  • 7. Oktober 1935. Herbstfest

    Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest

    Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.

    Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.

    Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.

    Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935