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Alte Hüte und kalter Kaffee
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13 Okt. 2026 08:18 #27
von atminn
Alte Hüte und kalter Kaffee wurde erstellt von atminn
Damals, 650 Jahre danach, 1990, beim großen Stadtjubiläum, hat man sie nicht gefunden, aber jetzt – heureka! – existiert sie gleich mehrfach: als Original im Österreichischen Staatsarchiv in Wien, dort ist sie inzwischen auch als Digitalisat für 10 Euro zum Herunterladen zu haben. Sodann als hochaufgelöste TIFF-Datei auf CD im hiesigen Rathaus, ohne dass das anscheinend bisher jemand bemerkt hatte. Weiterhin kann man sie kostenlos bestaunen im Internet (
www.Niederstetten-history.de
). Und endlich, jetzt endlich kommt sie auch noch als Replik zu uns! Leider gibt es sie noch nicht auf Wandtellern, Suppentassen oder auf den unvermeidlichen Schlüsselbrettchen, die die ältere Generation bei Ausflügen als Souvenir nach Hause mitgebracht hat. Den Sitzungssaal des Niederstettener Rathauses soll die Neuangekommene fortan zieren, hört man. Und schön ist sie, auch wenn man nichts lesen kann, weil das Pergamentdokument in der sog. Karolingischen Minuskel zwar akkurat und wunderschön geschrieben ist, aber wer will sich schon der Mühe unterziehen, sie Buchstabe für Buchstabe in unsere heutige Schreibung zu übersetzen! Allzu große Mühe würde das zwar nicht bedeuten, verglichen mit dem Gesudel auf Aktennotizen des 19. Jahrhunderts in der Kurrentschrift, die geschäftige Beamte hinterlassen haben, aber es wäre halt Arbeit.Wovon ich rede? Klar, von der sogenannten Stadtrechtsurkunde von 1340. Nicht als Original – das lag und liegt, wie angegeben, in Wien – sondern als „Replik“, die, obwohl sie niemals „weg“ war, „zurückkehrt“ und überreicht worden ist beim Herbstfest im Beisein von Bratwurst und Trollinger. Volkstümlich halt.Die Heimatzeitung hat einen Tag vor dem großen Event einen ganzseitigen Artikel gebracht. Ich habe ihn gelesen, er war informativ und ordentlich geschrieben und hat die Urkunde im Zusammenhang mit der Territorialgeschichte des Spätmittelalters dargestellt. Ich wollte ihn aufheben, den Zeitungsartikel, gewissermaßen als Ersatz für einen historischen Vortrag zu diesem Thema oder für einen Aufsatz in einem historischen Jahrbuch. Leider finde ich ihn aber nicht mehr. Ich vermute, dass er da gelandet ist, wo alle Zeitungen vom Vortag bei uns landen: im Altpapier. Bleibt die Hoffnung, dass die Stadtrechtsurkunde irgendwann einmal auf T-Shirts gedruckt erhältlich ist. Dann vorgestellt vielleicht im Flackerlicht bei einem Disco-Abend nach dem Roßmarkt. Spätestens dann aber wird wieder ein großer Zeitungsbericht im Blättle stehen und dann, versprochen, dann werde ich ihn unbedingt für die Nachwelt aufheben.
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