Männergesangverein
Männergesangverein
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1. Januar 1933, Weihnachtsfeier des Männergesangvereins
() Niederstetten, 2. Jan. Die gestrige Weihnachtsfeier [1. Januar] des Männergesangvereins stand unter dem Zeichen des Films. Herr Vorstand Julius Schneider drückte in seiner Begrüßungsansprache seine Freude über den guten Besuch der Veranstaltung aus. Sein besonderer Gruß galt Se. Durchlaucht dem Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Herrn Chormeister Felsenstein sprach Herr Schneider den Dank des Vereins für dessen unermüdliche Tätigkeit aus. Mit dem Chor "Stille Nacht" wurde der Abend stimmungsvoll eingeleitet. Im Verlauf des Abends sangen die Sänger noch drei weitere Chöre (Deutsches Heimatgebet, An den Hochwald, Frischauf zum Streit) mit bekannt gutem Vortrag. – Der erste Film brachte uns das letzte deutsche Sängerfest in Wien. Das war nicht nur ein Sehen, das war ein Erleben. Von Bild zu Bild steigerte sich die Begeisterung der Zuschauer. Der Glanzpunkt des Abends war der Film "Das deutsche Lied". Eine gut erdachte und logisch aufgebaute Handlung "Spiel um Walther von der Vogelweide" führte zu dem deutschen Volksliede hin. Das an Handlung reiche Liederspiel zeigt wie das deutsche Volkslied uns von der Wiege an durch das Leben begleitet. Da war die Mühle im Tale, da war das Leben des Soldaten, da war Jugendliebe und Heirat, da war das Märchen, da war Treue und Untreue, da war das Leben des Studenten gezeichnet. Prächtige deutsche Landschaftsbilder boten den Hintergrund. Eine sinngemäße Musik, Sologesänge (Herr Fleckensteín, Frl. Fleckenstein) und ein Männerquartett begleiteten die Handlung. Musik (Mergentheimer Stadtorchester, Dirigent Herr Fleckenstein) und Gesang zum Herzen sprechend. Die Leistungen in Musik und Gesang waren um so höher zu werten, als der Fílm erst nach einer größeren Irrfahrt verspätet hierhergelangte und ein technischer Unfall am Nachmittag eine Probe mit dem Film unmöglich machte. Lotterie und Ball beschlossen die gut gelungene Veranstaltung.
(Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 2, 3. 1. 1933, S. 3)
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1. Juli 1929. Preis für Männergesangverein. Schlossermeister Fischer und Forstmeister Wittmann gestorben
() Niederstetten, 1. Juli. Unser Männergesangverein errang nach soeben eingetroffener Nachricht auf dem Schwäbischen Sängerfest in Ulm einen zweiten Preis. Sowohl dem Verein als auch seinem Dirigenten, Herrn Fleckenstein, unseren Glückwunsch. — Ein alter Sänger wurde dieser Tage mit Herrn Schlossermeister Fischer Senior zu Grabe getragen. Der im hohen Alter von 78 Jahren verstorbene angesehene Bürger gehörte 60 Jahre lang dem evangelischen Kirchenchor an.
() Niederstetten, 1. Juli. Im Alter von fast 88 Jahren ist gestern hier Herr Forstmeister Wittmann gestorben. Seine ganze Lebensarbeit hatte er dem Fürstenhause Hohenlohe gewidmet, in dessen Diensten der Verstorbene über 50 Jahre stand. Erst in hohem Alter entschloß er sich, in den Ruhestand zu treten. Herr Forstmeister Wittmann war ein Freund des Wildes und des Waldes. Er erfreute sich bei unserer Bürgerschaft ungeteilter Achtung und hohen Ansehens. Bis in die allerletzten Tage seines Lebens erfreute sich der Dahingegangene einer außerordentlichen körperlichen und geistigen Rüstigkeit. Sein Hinscheiden wird in seinem großen Bekanntenkreis allgemeine Teilnahme erwecken.
Vaterlandsfreund, Nr. 153, 2. 7. 1929
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1. Mai 1934. Maifeier
Niederstetten, 7. Mai. 1. Mai, neuer Klang liegt in diesem Wort, ein Klang, den ihm unser Führer Adolf Hitler gab; Frühling liegt darin und Neuwerdung, nicht mehr Haß und Klassenkampf. Auch unser Städtchen beteiligte sich an der Feier des Tages unter der Leitung der Ortsgruppe der NSDAP. Am Vorabend des 1. Mai richtete das Zimmergewerbe den 18 Meter hohen, geschmückten Maibaum auf der Maiwiese (alter Turnplatz) auf, an welcher sich die Hitler-Jugend unter Führung des Geff. Fischer beteiligte. Der 1. Mai sah mit sonnigem Antlitz auf mit Fahnen und Tannengrün geschmückten Häuser und Plätze, legte sich mit Freude in jedes Menschenherz und lachte einem wieder aus strahlenden Augen der Menschen entgegen und fröhlich erklang der deutsche Gruß. Um 8 Uhr war Kirchgang für beide Konfessionen, um 9 Uhr Uebertragung der Jugendkundgebung aus Berlin unter dem Maibaum, an welcher sich sämtliche Schulen beteiligten. Von 12-15 Uhr war auf dem Marktplatz ein Standkonzert, welches von der Kreismusikkapelle unter Leitung seines Dirigenten Chormeister Fleckenstein, Bad Mergentheim, aufgeführt wurde. Pünktlich um 15 Uhr setzte sich der Festzug von der Hollenbacherstraße aus in Bewegung, voran die HJ., anschl. Abordnungen der PO., SA., MSA., SAR. u, NSKK., welcher die Kreismusikkapelle folgte. Die Mitte des Festzuges bildete ein blumenübersäter Wagen mit der Maikönigin und kleineren Mädchen, zur Seite ritt der Maigraf. Nun folgten in bunter Reihenfolge Handwerkergruppen mit Festwagen, ein Wagen des Bauernstandes, Beamtengruppe, Trachtengruppe, Wandergruppe und Turn- und Sportscharen, zusammengefaßt ein Bild wie es Niederstetten wohl noch nie gesehen hat, denn wer hätte es vor der Machtübernahme der NSDAP. gesehen, daß Bauern, Handwerker und Beamte so verbunden in einem Geiste marschieren, getragen von Sichverstehen und Einfügen. Auf der Festwiese angekommen, löste sich der Festzug auf und die Kreismusikkapelle und der Männergesangverein Niederstetten erfreuten die Festbesucher durch frische Weisen. In einer Ansprache wies Ortsgruppenleiter Thomas auf die Bedeutung des Tages hin und Bürgermeister Schroth überreichte im Namen des Innenministeriums Hofgartenarbeiter Weber für treue Dienste die silberne König Karl-Medaille. Nach der Uebertragung des Staatsaktes aus Berlin blieben die Besucher noch längere Zeit beim kühlen Naß, denn die Hitze des Tages war groß. Ab 20 Uhr war in der Turnhalle und im Löwensaal Tanzmusik.
Der Franke, Nr. 105, 8. 5. 1934
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1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest
Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936
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11. Juli 1937. Amtseinsetzung von Bürgermeister Pg. Karl Weber
Niederstetten, 11 Juli. (Amtseinsetzung.) Am Freitag nachmittag erfolgte die feierliche Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters im Sitzungssaale des Rathauses. Der 1. Beigeordnete und stellv. Bürgermeister Melber eröffnete die Sitzung und erteilt und erteilte Pg. Landrat Wöhrle-Gerabronn das Wort. Dieser nahm die Amtseinsetzung des neubestellten Bürgermeisters, Pg. Paul Weber-Adelberg vor, und wies ihn auf die Pflichten eines Ortsvorstehers hin. Hierauf sprach Kreisleiter Seitz-Bad Mergentheim und wünschte eine gute Zusammenarbeit zwischen der Kreisleitung, der Ortsgruppe und dem Rathaus. Pg. Bürgermeister Künzlen-Bad Mergentheim begrüßte ihn als neuen Kollegen im Auftrage der Kreisamtsleitung zur Kommunalpolitik. Stadtpfleger Pflüger wies auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit dem bisherigen Bürgermeister hin und versprach, zugleich auch im Namen aller Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadtgemeinde treue Mitarbeit zu leisten. Als nunmehr scheidender Bürgermeister wünschte Pg. Schroth seinem Nachfolger eine segensreiche Arbeit in seinem neuen Wirkungskreise. Zum Schluß dankte der in sein Amt eingesetzte Pg. Weber allen Rednern für die Willkommgrüße, insbesondere dankte er dem Gemeinderat für die Uebertragung des Amtes und für das ihm geschenkte Vertrauen und erbat sich die Unterstützung des Oberamts, der Kreisleitung und des Gemeinderats in seinen Amtsgeschäften. – Abends fand dann in der dichtbesetzten Turnhalle eine allgemeine Begrüßungsfeier unter der Mitwirkung des Männergesangvereins und der Ortsgruppenkapelle statt. Nachdem der erste Beigeordnete alle erschienenen Gäste begrüßt hatte, übergab er das Wort Pg. Bürgermeister Weber. Dieser dankte in seiner Ausführung für die ihm zuteil gewordene Ehre, Bürgermeister der Stadt Niederstetten sein zu dürfen und gab, unter Darlegung seines Lebenslaufes, ein Bild von seinem bisherigen Tätigkeitsfelde. Er bat die Einwohnerschaft, ihm volles Vertrauen entgegenzubringen und versprach, seine ganze Kraft für das Wohl der Stadt einzusetzen. – Nach der Rede des Pg. Weber begrüßte ihn Ortsgruppenleiter Thomas als neuen Parteigenossen. Gewerbeoberlehrer Sigelen im Namen sämtlicher Schulen und der Lehrerschaft. Bürgermeister Gräter-Hermutshausen sprach als Vorsitzender des Gemeindeverbandes E. W. Hohebach-Ingelfingen. Bürgermeister Herzog-Bartenstein-Riedbach lobte das gute nachbarliche Verhältnis dieser Gemeinden mit Niederstetten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dasselbe auch weiterhin bestehen und noch vertieft werden möge. – Wie sehr Pg. Weber in seiner bisherigen Gemeinde Adelberg geliebt und geachtet war, bewies die Tatsache, daß zwei Vertreter dieser Gemeinde bei der Amtseinsetzung anwesend waren. Ortsbauernführer Seitzer-Adelberg hob das einmütige Zusammenwirken zwischen Rathaus und der ganzen Bürgerschaft hervor und drückte sein lebhaftes Bedauern über den Weggang ihres Bürgermeisters aus und beglückwünschte die Stadtgemeinde Niederstetten zu ihrem neuen Bürgermeister und fügte an, daß die Wahl bestimmt zu ihrem Nutzen ausfallen werde. – Als weitere Redner sprachen noch für die evangelische Kirchengemeinde, Stadtpfarrer Göltenboth, für den Kreis Gerabronn Landrat Wöhrle und der bisherige Bürgermeister Schroth. In längerer Ausführung legte letzterer die Zukunftsaufgaben in der Stadtverwaltung dar.
Der Franke, 12. 7. 1937
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13. Mai 1930. Konzert des Gesangvereins - Vortrag zur Obstveredlung - Ausflug des Hausfrauenvereins
() Niederstetten, 13. Mai. Am kommenden Sonntag findet in Bad Mergentheim unter Leitung des Herrn Chormeister Fleckenstein ein Konzert der Gesangvereine Bad Mergentheim-Lauda-Niederstetten statt. Gewissermaßen als Hauptprobe gab am Sonntag abend der hiesige Männergesangverein im Löwensaal ein Konzert. Wir wollen dem Mergentheimer Konzert durch diese Bosprechung nicht vorgreifen. Die Auswahl der Lieder (Männer- und gemischter Chor) und ihre Ausführung lassen den Schluß zu, daß das Mergentheimer Konzert ein musikalisches Ereignis für das ganze Hohenloher Frankenland werden wird. In der Folge des gestrigen Konzerts erfreute Herr Dr. Metzendorf-Mergentheim dis Zuhörer durch virtuose Harfenvorträge, die Barkarole aus Hofmanns Erzählungen wurde init Harfe, Violine und Klavier ausgezeichnet gespielt und Herr Chormeister Fleckenstein sang in gewohnter Vollendung Löweballaden: Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Oberlehrer Wahl übernommen und vorzüglich durchgeführt.
() Niederstetten, 13. Mai. Als Abschluß des im Herbst hier stattgehabten Kurses hielt gestern Herr Oberbauinspektor Schweizer-Kupferzell hier einen Veredelungskurs ab. Am Abend hielt Herr Schweizer einen Vortrag im Gasthaus zum Hirschen, dem viele Interessenten beiwohnten. Herr Schweizer ging davon aus, daß das Endziel des Obstbaues die Zurückdrängung der ausländischen Einfuhr sein müsse. Zu den Obst einführenden Staaten gehören seit einiger Zeit auch die Balkanstaaten und Rußland. Seit drei Jahren werden aus Reichsmitteln dem Obstbau große Zuschüsse gewährt. Allein in Süddeutschland seien mit diesen Mitteln im Vorjahr 382 000 Umpfropfungen unterstützt worden. Die heutigen Baumbestände in Deutschland seien ungenügend. Man müsse die Systeme der Konkurrenz studieren und gleiche Ware auf den Markt bringen. Das Ausland sei uns durch sein kaufmännisches System überlegen. Der Redner verweist dann auf die in der Presse (auch in unserer Zeitung) bereits veröffentlichten Bedingungen zur Erlangung von Beihilfen. Es seien für Umpfropfen 75 000 M, für Obstabsatzorganisationen 285 000 M ausgegeben worden. Das Ziel des Obstbaues müssen die von der Landwirtschaftskammer angegebene Sortenvereinfachung sein. Aber nicht nur auf Tafeläpfel, sondern auch auf den richtigen Anbau von Zwetschgen soll das Augenmerk des Obstzüchters gerichtet sein. Mostbirnen sollen nur dahin gepflanzt werden, wo keine Aepfel gedeihen. Von großer Wichtigkeit sei das richtige Umpfropfen und das Spritzen der Bäume. Sorgfältige Behandlung und Sortierung des Obstes sei Grundbedingung. In Zukunft werde das Obst (Tafelobst) nur nach Stückzahl pro Kiste gehandelt werden und so der Wert der Qualität richtig zur Geltung kommen. In der Diskussion ergriff Herr Roll-Amlishagen, Vorstand des Bezirksobstbauvereins Gerabronn, das Wort. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, daß die Landwirtschaftskammer dem Obstbau wehr Liebe entgegenbringe. Der Katalog seines Vaters habe noch 180 Apfelsorten und 150 Birnensorten enthalten. Das sei heute ein ungangbarer Weg. Herr Roll tadelte dann die falsche Behandlung des Obstes durch eine Genossenschaft, Dort wären die Gewürzluiken zwei Meter hoch aufgeschichtet gewesen. Die Sortiermaschine brauche zu viel Bedienung. Herr Lagerhausverwalter Glaser erbat Aufschluß über die den einzelnen Genossenschaften zugekommenen Beträge, da unsere Gegend leer ausgegangen sei. Herr Stadtschultheiß Schroth dankte dem Referenten und den Diskussionsrednern und schloß die Versammlung.
() Niederstetten, 13. Mai. Unser Landw. Hausfrauenverein hat eine große „Expedition“ hinter sich. Mit vier Omnibussen machte der Verein bei Beteiligung von 90 Mitgliedern einen lehrreichen und genußreichen Ausflug. In Kupferzell fand die Haushaltungsschule eingehende Besichtigung. In Hall wurde das Diakonissenhaus und Schwachsinnigenheim besucht. Ferner wurde der sehenswerten Comburg ein Besuch abgestattet.
Der Vaterlandsfreund, Nr. 111, 14. 5. 1930
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15. August 1936. Beerdigung Stadttierarzt Heinrich Eyßer
Niederstetten, 15. Aug. Gestern wurde Herr Stadttierarzt Eyßer zu Grabe getragen, Er starb am Dienstag in Würzburg infolge seines vor 14 Tagen erlittenen Unfalles, durch welchen er mitten aus seinem besten Schaffen herausgerissen wurde. Wie beliebt und geachtet Herr Eyßer war, konnte man an dem großen Geleite zu seiner letzten Ruhestätte und der Fülle der Kranzspenden ersehen, ebenso kam dieses auch bei den zahlreichen Grabreden zum Ausdruck. Besonders eindrucksvoll war das Geleite von Seiten der Partei, da Stadttierarzt Eyßer stellv. Ortsgruppenleiter der NSDAP. war. Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter, die Amtsleiter und Ortsgruppenleiter des Kreises waren erschienen. Von Seiten der Ortsgruppe waren sämtliche Pol. Leiter, die SA., Motor-SA., HJ., die Kreismusikkapelle und der Kyffhäuserbund beim letzten Gange, um ihrem Parteigenossen und Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Der Männergesangverein sang feierliche Chöre. 26 Jahre war Herr Eyßer als Stadttierarzt in Niederstetten tätig. Einer der ersten Kämpfer für die Ideen unseres Führers Adolf Hitler ist mit ihm dahingegangen, aber wir werden ihn nicht vergessen.
Der Franke, Nr. 189, 15. 8. 1936
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2. Januar 1930. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins
() Niederstetten, 2. Jan. Schon die Vortragsfolge des Weihnachtskonzerts des Männergesangvereins Niederstetten ließ große Dinge erwarten. Seit der Verein von Herrn Chormeister Fleckenstein geleitet wird, läßt er es sich nicht mehr allein mit dem weitergepflegten volkstümlichen Männergesang genügen, sondern er strebt nach höheren Zielen. Diese Tatsache hat sich schon bei den letzten Darbietungen und bei dem Erfolg in Ulm gezeigt. Dieser gute Ruf hat daher nicht nur unsere Bürgerschaft zahlreich in die Turnhalle geführt, sondern auch viele Bewohner nachbarschaftlicher Orte hatten sich zu dem Weihnachtskonzert in der Turnhalle eingefunden. Die ersten 2 Lieder entsprachen der Weihnachtszeit. Dann folgte der an versteckten Schwierigkeiten reiche Beethoven'sche Männerchor „Fahr wohl du goldene Sonne“. Das Orchester Bad Mergentheim war zur Mitwirkung gewonnen und spielte besonders schön das Frühlingserwachen von Bach. Die hohe Leistung des Männergesangvereins begann mit der „Landerkennung“ von Grieg, des nordischen Meisters, welcher durch seine herrliche Peer Gynt-Komposition ganz Deutschland zu seinen Bewunderern zählt. In „Landerkennung“ ist er Meister der nordischen Ballade. Männerchor, Baritonsolo (Herr Fezer) und Orchester boten eine vollkommene Leistung. Die Partitur der „Landerkennung“ dürfte die größten Anforderungen von allen Stücken des Abends an alle Mitwirkenden gestellt haben. Als ganz große Leistung war das Melodram „Columbus“ für gemischten Chor, Orchester und verbindende Rezitation (Herr Fezer) zu werten. Wie Columbus und die Seinigen voller Hoffnung in See gehen, wie das zuerst fröhliche Leben an Bord in Hoffnungslosigkeit übergeht, wie Aufruhr den großen Seefahrer bedroht und wie in höchster Not Land gesichtet wird — alles war Erleben. Die Kraft der Komposition war in die Seelen der Sängerinnen und Sänger, des Sprechers und des Orchesters eingedrungen. Tiefergriffen spendete die Zuhörerschaft reichen Beifall. Und dann wurde getanzt. Das klingt wohl gegensätzlich. Aber die Vereine brauchen Geld und die jungen Leute wollen tanzen.
Vaterlandsfreund, Nr. 3, 4. 1. 1930
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22. Juli 1929. Konzert des Gesangvereins im Hofgarten
() Niederstetten, 22. Juli. Nach dem schönen Erfolg auf dem schwäbischen Liederfest in Ulm, dem Landesfest des württembergischen Männergesanges, hatte der hiesige Männergesangverein das Bedürfnis, sein Können auch seinen hiesigen Gönnern zu zeigen. Aus diesem Grunde veranstaltete der Verein gestern ein Gartenkonzert, zu welchem er auch die Vereine der Umgebung eingeladen hatte. Das Gartenkonzert fand infolge des dankenswerten Entgegenkommens der Standesherrschaft im Hofgarten statt. Nach dem Festzug begrüßte der Vorstand des Männergesangvereins Niederstetten, Herr Julius Schneider, die Sänger u. Sangesfreunde. Das Gartenkonzert sei der Abschluß einer für die aktiven Sänger des Vereins recht arbeitsreichen Zeit. Der Erfolg sei ja auch nicht ausgeblieben. Dieser Erfolg sei aber in der Hauptsache das Verdienst des Herrn Chormeisters Fleckenstein-Mergentheim, des Dirigenten des Vereins. Diesem Herren galt dann auch das Hoch des Redners. — Im weiteren Verlauf seiner Rede dankte Herr Schneider der Standesherrschaft für die Ueberlassung des Hofgartens. — Im ersten Teil des Programms brachte dann der Verein die Ulmer Pflichtchöre zum Vortrag. Ueber diese Chöre des Weiteren zu sprechen erübrigt sich. Anläßlich des Ulmer Festes fanden sie in unseren Spalten ausführliche Behandlung. Dann trug der Verein „seinen“ Preischor „Korsarenfahrt“ vor — ein Lied von hinreisender Gewalt und großer Schönheit im Ton. All dementsprechend war auch der Vortrag (in Ulm soll er sogar noch besser gewesen sein) und so war der Beifall der Zuhörer stürmisch und fast nicht endenwollend. Dann folgte noch ein Kranz schöner Lieder, in welchen auch der Gesangverein Vorbachzimmern unter Leitung seines verdienten Dirigenten, Herrn Schultheiß Striffler, seine Blumen einfügte. Die Stadtkapelle füllte mit E Märschen die Pausen. Der Abend fand dann fast die gesamte Einwohnerschaft unter magischer Beleuchtung vieler farbiger Lampions wieder im Hofgarten. Musik u. Gesang hielt sie noch lange beisammen — nach der tropische Tageshitze — Stunden wohliger Kühle. — Es war ein schöner Tag, welchen uns ab der Männergesangverein geboten hat. Es sei noch erwähnt, daß die Fahne des Vereins mit der Ulmer Ehrenmünze geschmückt war.
Vaterlandsfreund, Nr. 172, 24. Juli 1929
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22. November 1931. Gedenken für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs
() Niederstetten, 22. Nov. Unsere Gefallenen in Weltkriege wurden auch in unserer Stadt in würdiger Weise geehrt. In den Gotteshäusern der drei Konfessionen fanden Trauergottesdienste statt. Um 11 Uhr bildete sich vor dem Rathause ein höchst ansehnlicher Zug. Der Musik folgten alle Vereine mit umflorten Fahnen, die Vertreter der Konfessionen, der Stadtvorstand mit dem Gemeinderat, die Angehörigen der Gefallenen, die Beamtenschaft, ein Teil der Schuljugend und der größte Teil der Bürgerschaft. Vor dem Kriegerdenkmal sang der Männergesangverein ein stimmungsvolles Lied. Dann hielt Herr Bürgermeister Schroth eine Gedenkrede, welche durch den aus tiefster Ueberzeugung kommenden Vortrag und durch die Tiefe ihres Inhaltes gewaltigen Eindruck auf alle Zuhörer machte. In der Hoffnung, auf ein einiges, großes Deutschland, legte der Redner einen Kranz im Namen der Gesamtgemeinde an der Gedenkstätte unserer teueren Gefallenen nieder. — Mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes: „Ich hatt' einen Kameraden“ schloß die Feier und wiederum unter Vorantritt der Stadtkapelle zog der Zug zum Rathaus zurück.
Vaterlandsfreund, Nr. 274, 23. 11. 1931
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23. August 1937. Ehrenbürgerschaft für Albert Sammt
Niederstetten, 23. Aug. (Luftschiffkapitän Sammt Ehrenbürger seiner Vaterstadt.) Die höchste Ehrung, die eine Gemeinde einem Volksgenossen erteilen kann, ist das Ehrenbürgerrecht. Mit dieser Auszeichnung wollte die Stadt Niederstetten auch ihren Sohn, Luftschiffkapitän Albert Sammt-Frankfurt am Main für seine Verdienste um die Luftschiffahrt und damit für das Vaterland, ehren. Die reich geschmückte Turnhalle faßte am Samstagabend kaum die erschienenen Gäste, welche Zeugen der Uebergabe des Ehrenbürgerbriefes sein wollten. Unter den Anwesenden, welche sich aus Volksgenossen der Gesamtgemeinde, sowie dem näheren Umgebung zusammensetzten, bemerkte man auch Kreisleiter Seiz-Bad Mergentheim, den älteren Bruder und eine Schwester von Luftschiffkapitän Sammt. Eine Streichkapelle der SS.-Standartenkapelle "Deutschland"-Ellwangen leitete die Feierstunde ein und trug einen erheblichen Teil zur Ausgestaltung des Abends bei, gut unterstützt vom Männergesangverein Niederstetten. Bei der Uebergabe des von Künstlerhand ausgeführten Ehrenbürgerbriefes durch Bürgermeister Weber an Luftschiffkapitän Sammt, welcher mit seiner Frau erschienen war, brachte ersterer zum Ausdruck, daß diese Ehrung einem verdienten Sohne der Stadt zuteil werde und daß sie Anlaß sein möge, die Verbundenheit mit ihr noch zu stärken, besonders gedachte er seiner glücklichen Errettung bei der Katastrophe des Luftschiffes "Hindenburg" und wünschte ihm noch volle Genesung von seiner hierbei erlittenen Verwundung. Luftschiffkapitän Sammt dankte in herzlichen Worten für die erhaltene Auszeichnung, die er voll würdige. Richard Knenlein sprach im Namen der gleichaltrigen Jugendgenossen von Albert Sammt und. seine Ausführungen zeigten, wie stolz sie alle auf ihren Gefährten aus der Jugendzeit seien. Der mit seinem Freunde Albert Sammt und dessen anwesenden Bruder Fritz verlebten Jahre in Niederstetten gedachte Bürgermeister Schroth und hob hervor, wie Sammt sich vom einfachen Handwerker durch zähen Fleiß und Einsatzbereitschaft sich seine heutige Stellung bei der Zeppelinluftschiff-Reederei errungen habe und wie die ganze Gemeinde gebangt hätte um ihren Heimatsohn, als die Nachricht von der Luftschiffkatastrophe eintraf und wie die Anwesenden wohl nun zum erstenmale in unserem Vaterlande aus berufenem Munde Einzelheiten darüber erfahren werden. In einer längeren Ausführung schilderte dann Luftschiffkapitän Sammt, ausgehend von seinem letzten Vortrage mit Film und Lichtbildern, den er hier im Jahre 1930 hielt, die Entwicklung des Luftschiffbaues und dann besonders eindringlich mit beredten Worten seine letzte Fahrt, welche zugleich auch die Katastrophenfahrt des Luftschiffes "Hindenburg" war. Gespannt lauschten die Zuhörer der ergreifenden Schilderung der 37 Vernichtungssekunden und der glücklichen Rettung aus dem brennenden Luftschiff, wenn auch mit schweren Brandwunden. Gegen Schluß des Abends erschien überraschend und freudig begrüßt ein Kamerad unseres Ehrenbürgers Albert Sammt, Luftschifführer Ladewig, der bei seinem Ferienaufenthalt in Rothenburg o. Tauber von der heutigen Ehrung erfuhr.
Der Franke, 24. 8. 1937
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24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth
Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.Der Franke, 24. 5. 1937
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26. Mai 1934. Generalversammlung des Männergesangvereins
Niederstetten, 26. Mai. Der Männergesangverein hielt am gestrigen Abend im Postsaal seine Generalversammlung ab. Die Sängerschar war dem Vereinsbericht zufolge am Laufe des Jahres sehr rührig. Besondere Höhepunkte waren die im Sommer und zur Weihnachtszeit veranstalteten Gesangskonzerte, bei denen d. Sänger jeweils glänzende Proben ihres Könnens ablegten, was der Verein insonderheit der sechsjährigen Arbeit des Chormeisters Fleckenstein zu danken hat. Der Kassier konnte noch einen bescheidenen Ueberschuß aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr auf neue Rechnung vortragen. Zu Ehrensängern wurden für über 25jährige Sängerzeit die Herren Fischer und Meider ernannt. Weiterhin wurden für über 25jährige Sängerzeit die Herren Emmert, Hermann, Hönig, Melber und Schneider Julius mit der silbernen Ehrennadel geehrt. Vom Vorsitzenden des Hohenloher Sängerkreises wurde der seitherige Vorstand Julius Schneider wieder ernannt, dieser wiederum berief seine bisherigen Mitarbeiter als Vorstands- und Beiratsmitglieder. Die Satzungen d. DSB. wurden für den Verein für verbindlich erklärt. Das Hauptziel der Sänger für diesen Sommer ist das Landessängerfest in Heilbronn, bei dem sie sich die Aufgabe gestellt haben, mit dem Chor „Matrosenblut“ von Neumann am Gesangswettstreit im gehobenen Volksgesang teilzunehmen. Möge ihre Mühe von gutem Erfolg begleitet sein. Auf Vorschlag des Vereinsvorstandes wird der seitherige Männergesangverein den Namen „Liederkranz" führen, und zwar mit der Begründung, daß vor über 90 Jahren in hiesiger Stadt ein Gesangverein unter diesem Namen ins Leben gerufen wurde, dessen Fahne dem heutigen Verein — der aus den beiden früheren Vereinen Liederkranz und Harmonie nach dem Weltkrieg gebildet wurde — noch voran weht, so daß es ein Akt der Pietät an längst Vergängenes ist. T[au]b[er]z[eitung].
Der Franke, Nr. 121, 29. 5. 1934
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27. Januar 1930. Bericht vom Vortrag Albert Sammt
() Niederstetten, 27. Jan. Gestern abend wiederholte Herr Bordingenieur Albert Sammt vom Zeppelinbau Friedrichshafen in der Turnhalle seinen Vortrag, über welchen wir bereits ausführlich berichtet haben. Eine glänzende Versammlung war zusammengekommen, um seinem Berichte zu lauschen, die Turnhalle war dicht gefüllt, mehr als 500 Personen waren zu zählen. Unser Ehrenbürger, Herr Fabrikant Wilhelm Bernheim aus St. Gallen, war eigens zu dieser Veranstaltung hierher gereist. Herr Stadtschultheiß Schroth begrüßte die Versammlung und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß sich dieser Abend im Verein mit Herrn Sammt und Hrn. Bernheim zu einem wahren Familienabend der großen Familie, der Bürgerschaft, gestalten möge. Dann begrüßte Herr Stadtschultheiß Schroth Herrn Albert Sammt. Beim Herbstfest habe dieser versprochen, Niederstetten zu überfliegen, er habe Wort gehalten. Er habe versprochen im Winter uns mit seinem Vortrag zu erfreuen, er habe wieder Wort gehalten. Diese Einlösung gegebenen Versprechens sei eines echten deutschen Mannes würdig. Deutsch seien auch die Taten, auf welche unser Landsmann stolz sein dürfe. Doch habe ihm sein Erfolg vor jedem Stolz und jeder Selbstüberhebung bewahrt. [?] an Herrn Wilhelm Bernheim richtete Herr Stadtschultheiß Schroth herzliche Worte der Begrüßung und dankte ihm für das Wohlwollen, welches er jederzeit seiner Heimatstadt bewiesen habe. Im weiteren Verlauf des Abends sprach noch Herr Max Stern. Er schilderte den Drang nach Beherrschung der Luft, welcher seit [Hunderten?] von Jahren der Menschheit inne wohne und [?] nun Wirklichkeit geworden sei. Weiter gab er seiner Freude Ausdruck, daß unser Ehrenbürger unsere Stadt nicht nur mit seinem Rat, sondern auch seiner Tat unterstütze. Als Vertreter der heimischen Presse freue er sich immer, wenn er von seinen Landsleuten Gutes und Schönes berichten dürfe. Im Schlußwort dankte Hr. Schultheiß Schroth dem Herrn Sammt für sein [herr?]lichen Vortrag. Der Männergesangverein unter der Leitung seines erprobten Dirigenten, Herrn Chormeister Fleckenstein-Mergentheim, verschönte den Abend durch [?] Gesänge. Mit dem Deutschlandlied schloß die schöne und erhebend verlaufene Veranstaltung.
[Einige Worte im Falz nicht entzifferbar]Vaterlandsfreund, Nr. 22, 28. 1. 1930
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3. August 1931. Gartenfest des Männergesangvereins
() Niederstetten, 3. Aug. Der Männergesangverein nahm vorgestern Veranlassung in Form eines Gartenfestes auf dem alten Turnplatz der hiesigen Einwohnerschaft Proben seines Könnens zu geben. Mit Begleitung der Stadtkapelle Rummler zog der Verein zum Festplatz. Hier entwickelte sich rasch ein munteres Festtreiben. Unter der Leitung seines bewährten Chordirektors Herrn Fleckenstein-Mergentheim sang dann der Verein ernste und heitere Lieder, Gesänge, welche großes Können verlangten und Volkslieder. Ueberall erwiesen die Sänger und der Dirigent ihre auf hoher Stufe stehende Kunst. In den Pausen spielte die Stadtkapelle flotte Märsche und Tanzweisen und am Abend schwang die Jugend das Tanzbein auf dem Festplatz. Der schöne Gesang des Männergesangvereins und der schöne Festplatz mit seiner idyllischen Umgebung vereinigten sich, um dem Fest zu dem Gelingen zu verhelfen.
Vaterlandsfreund, Nr. 179, 4. 8. 1931
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3. Januar 1931. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins
() Niederstetten, 3. Jan. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins Niederstetten. Mitwirkende: Bariton: Oberlehrer Wahl, Stadtorchester Bad Mergentheim, Männer- und Frauenchor des Vereins. Leitung: Chormeister Adolf Fleckenstein. Die glänzend erleuchtete Turnhalle ist dicht besetzt, die Bühne trägt einfachen grünen Schmuck, Im Hintergrund symbolisieren zwei beleuchtete Tannenbäume die Weihnachtszeit. Das ist der äußere Rahmen des Konzertes, welches wohl für alle Zuhörer ein inneres Erleben geworden ist. Im Mittelpunkt der Vortragsfolge stand die Cantate „Die heilige Nacht“ von Gade für Bariton, gemischten Chor und Orchester. Die einfach poetische Schilderung der Weihnacht drückt sich in den Chören der Seraphim und der Hirten aus. Ueber beide erhaben und doch beide verbindend erklingt der Gesang des Seraphs. Kein poetischer Ueberschwang des Textes. Aber der einfache Gesang der Hirten und der himmelerhebende Gesang der Seraphim, das prophetische Mahnen des Seraphs, alle noch gehoben durch die: gewaltigen Töne der Begleitmusik, verbinden sich zu einem Musikwerk, dessen Eindruck auf die Hörer nicht nur von einem kurzen Augenblick ist. Ernst begann die Vortragsfolge — der Seemann feiert in der Fremde Weihnacht. Dem folgte das Gellertsche Gebet in der Komposition von Beethoven. (Männerchor mit Orchesterbegleitung). Der großen Kantate folgte das gemütvolle Straßburglied aus des Knaben Wunderhorn in der Komposition von Kienzl, das Leid des aus Heimweh desertierten Soldaten tief ergreifend darstellend. Dann kamen Männerchöre, welche von der Heimat, der ersten Liebe und dem pfeifenden Vöglein erzählten — feinsinnig führte die Vortragsfolge in eine gehoben heitere Stimmung. Die gemischten Chöre „Wie's daheim war" und „Der Spielmann“ ließen in manchen Augen Tränen emporquillen, aber in dem sinnreichen und lustigen Lied „Die Gedanken sind frei“, kam, fortgerissen durch die flotte Melodie alles wieder in gute Stimmung. Es ist nicht möglich, jedes einzelne Lied zu nennen. Das Stadtorchester Bad Mergentheim spielte den „Calif von Bagdad“ (Ouverture), das „Intermezzo u. die Bacarole“ aus „Hofmanns Erzählungen“ und eine Folge aus dem „Dreimädelhaus“. Eine Kritik erübrigt sich. Gesanglich war hier dergleichen noch nicht geboten worden, umso erstaunlicher, wenn wir Sänger und Sängerinnen betrachten, alle im Alltagsberuf stehende fleißige Menschen, denen die Kunst des Gesanges kein Beruf, sondern nur Erholung ist. Und diese Sänger und Sängerinnen vermochte ihr Stabführer zu solcher künstlerischer Höhe zu führen. Hut ab von dem Stabführer, Hrn. Chordirigenten Fleckenstein, Hut ab vor den Sängerinnen und Sängern. Besonderer Dank und Anerkennung gebührt Herrn Oberlehrer Wahl dafür, daß er seine schöne Stimme für das Baritonsolo (Seraph) zur Verfügung gestellt hatte und für die meisterhafte Durchführung seiner Aufgabe. Ebenso stand der musikalische Teil des Konzertes künstlerisch hoch. Tadellos war das Zusammenwirken zwischen Orchester und Chören. Noch vieles wäre im Einzelnen zu sagen und zu loben. Herr Vorstand Julius Schneider begrüßte die Festversammlung. Wohl, so führte er aus, sei von einem Uebermaß an Weihnachtsfeiern abgeraten worden, aber Weihnachten ohne ein Lied sei gar nicht auszudenken. Wenn auch die Zeiten ernst seien, so gelte doch immer noch das Wort Cäsar Flaischlins: Sonne im Herzen und ein frisches Lied dazu, vermögen den Menschen zu erheben. Dem Konzert schloß sich ein Ball an. Besonders sei noch die flotte Abwicklung des Programmes, als allgemein angenehm empfunden, hervorgehoben. Während der Festlichkeit überreichte Herr Vorstand Schneider den langjährigen Mitgliedern des Vereines, Herren Friseur Wild und Kaufmann Kießecker sen., die Ehrenmitgliedsurkunde.
Vaterlandsfreund, Nr. 3, 5. 1. 1931
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3. Juni 1935. Durchführung der Reichssportwoche - Sommerfest des Männergesangvereins
Niederstetten, 3. Juni. In Durchführung der Reichssportwoche zeigten die Turner, die HJ., Jungvolk, BDM. und Jungmädchen am gestrigen Sonntagnachmittag, nach einem Propagandamarsch durch die Stadt, auf dem Sportplatze Freiübungen, sämtliche Arten der Leichtathelik, sowie Spiele zur Ertüchtigung des Körpers. Mit diesen Vorführungen warben sie für den Sport, welcher Allgemeingut des deutschen Volkes werden muß. Da keine Höchstleitungen erzielt werden sollen, sondern nur an die Gesundheit des gesamten deutschen Volkes gedacht wird, so steht der Sport allen Altersstufen offen. Oberturnwart Keppler sprach als Beauftragter der Ortsgruppe der NSDAP. zu den zahlreichen Besuchern und seine Rede gipfelte in den Worten des Turnvaters Jahn, ein wahrhaft, wehrhaft Volk zu werden. — Gleichzeitig hielt der Männergesangverein sein Sommerfest auf dem angelegenen alten Turnplatz ab. Der Verein brachte unter der ganz vorzüglichen Leitung seines Dirigenten, Chormeister Fleckenstein-Bad Mergentheim, neueingeübte Lieder zum Vortrage und reicher Beifall belohnte die Sänger nach jedem Gesange.
Der Franke, Nr. 128, 4. 6. 1935
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3. Mai 1937. Maifeier
Niederstetten, 3. Mai. Den Feiertag des deutschen Volkes beging Niederstetten dieses Jahr auf dem Marktplatze. Am Freitagabend wurde der prächtige Maibaum, zum exstenmale geschmückt mit dem Hoheitszeichen und schön gemalten Abzeichen der DAF., der Formationen und Zünfte vor dem Horst Wessel-Brunnen aufgestellt. Die gesamte HJ. sang den Mai ein und führte einen Maitanz auf. Der Horst Wessel-Brunnen war mit viel Liebe ausgeschmückt, wie überhaupt der ganze Marktplatz einen sehr guten Rahmen für die Feier bot. Am Feiertage ging der Festzug um ½ 12 Uhr von der neuen Schule aus durch die reich mit frischem Grün und wehenden Fahnen geschmückten Straßen der Stadt auf den Marktplatz. Durch eine Großlautsprecheranlage wurde die Rede des Führers übertragen. Anschließend brachte die HJ. eine Dichtung zum Vortrag. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte zum Gedenken des Tages und konnte an 2 Teilnehmer des Reichsberufswettkampfes: Else Schneider und Josef Wolf eine Ehrenurkunde überreichen. Durch das überaus günstige Wetter, die gute Zusammenfassung des im Zentrum gelegenen Festplatzes herrschte bald eine Kameradschaftlichkeit und Zusammengehörigkeit, die erhebend wirkte und so wird wohl der Marktplatz der geeignete Platz für die künftigen Feiern des 1. Mai darstellen. Eine große Zahl auswärtiger Volksgenossen waren erschienen, um mit uns zu feiern. Die Kreismusikkapelle und der Männergesangverein wetteiferten miteinander in edlem Streite um die Gunst der Zuhörer und ernteten lebhaften Beifall. Unser Heimatsohn, Onkel Dinkel aus Frankfurt a. M,, hatte die Jugend um sich versammelt und spendete ihnen Süßigkeiten. Onkel Dinkel, wie er genannt wird, hat sich schon an Weihnachten die Herzen erobert durch seine reichen Gaben an das WHW. und an bedürftige Kinder. So klang der Feiertag des deutschen Volkes zu Aller Wohlgefallen aus und bildete mit einen Baustein zur Volksgemeinschaft.
Der Franke, 3. 5. 1937
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30. September 1929. Herbstfest
() Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.
Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929
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4. Januar 1933, Beerdigung von Revierförster Wilhelm Wild
( ) Niederstetten, 4. Jan. Das Leichenbegängnis des verstorbenen Fürstl. Revierförsters Wilhelm Wild war eine große Ehrung des Toten. Fast die ganze Bürgerschaft nahm daran teil, außerdem viele Personen aus der Umgebung, besonders aus Jägerkreisen. Kränze, zum Teil mit sinnigen Worten des Abschiedes legten nieder: Se. Durchlaucht Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, Herr Hauptlehrer Huß (für den kath. Kirchenchor), Herr Postmeister Amann (für den Kirchenstiftungsrat), dann Vertreter der Fürstl. Beamten, der Fürstl. Jäger, der Holzhauer. - Unserem Bericht über die Weihnachtsfeier des Männergesangvereins ist nachzutragen, daß die Damensolis von Frl. Knorr gesungen wurden. Die gute Stimme der Sängerin und der ausgezeichnete Vortrag fanden beifälligen Widerhall bei den Zuhörern.
(Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 4, 5. 1. 1933, S. 3)
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