Frankfurt/Main
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3. Mai 1937. Maifeier
Niederstetten, 3. Mai. Den Feiertag des deutschen Volkes beging Niederstetten dieses Jahr auf dem Marktplatze. Am Freitagabend wurde der prächtige Maibaum, zum exstenmale geschmückt mit dem Hoheitszeichen und schön gemalten Abzeichen der DAF., der Formationen und Zünfte vor dem Horst Wessel-Brunnen aufgestellt. Die gesamte HJ. sang den Mai ein und führte einen Maitanz auf. Der Horst Wessel-Brunnen war mit viel Liebe ausgeschmückt, wie überhaupt der ganze Marktplatz einen sehr guten Rahmen für die Feier bot. Am Feiertage ging der Festzug um ½ 12 Uhr von der neuen Schule aus durch die reich mit frischem Grün und wehenden Fahnen geschmückten Straßen der Stadt auf den Marktplatz. Durch eine Großlautsprecheranlage wurde die Rede des Führers übertragen. Anschließend brachte die HJ. eine Dichtung zum Vortrag. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte zum Gedenken des Tages und konnte an 2 Teilnehmer des Reichsberufswettkampfes: Else Schneider und Josef Wolf eine Ehrenurkunde überreichen. Durch das überaus günstige Wetter, die gute Zusammenfassung des im Zentrum gelegenen Festplatzes herrschte bald eine Kameradschaftlichkeit und Zusammengehörigkeit, die erhebend wirkte und so wird wohl der Marktplatz der geeignete Platz für die künftigen Feiern des 1. Mai darstellen. Eine große Zahl auswärtiger Volksgenossen waren erschienen, um mit uns zu feiern. Die Kreismusikkapelle und der Männergesangverein wetteiferten miteinander in edlem Streite um die Gunst der Zuhörer und ernteten lebhaften Beifall. Unser Heimatsohn, Onkel Dinkel aus Frankfurt a. M,, hatte die Jugend um sich versammelt und spendete ihnen Süßigkeiten. Onkel Dinkel, wie er genannt wird, hat sich schon an Weihnachten die Herzen erobert durch seine reichen Gaben an das WHW. und an bedürftige Kinder. So klang der Feiertag des deutschen Volkes zu Aller Wohlgefallen aus und bildete mit einen Baustein zur Volksgemeinschaft.
Der Franke, 3. 5. 1937
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Kahn, Jette geb. Hirsch
Geb. 23. 5. 1860 in Braunsbach
Hausfrau
Heirat: 30. 10. 1883 in Mergentheim
Ehemann: Lehmann Kahn, geb. 14. 2. 1856 in Hollenbach, gest. 19. 5. 1902 in Niederstetten
Kinder:
Klara, geb. 10. 9. 1884 in Hollenbach, ausgewandert nach New York
Lina, geb. 23. 5. 1886 in Hollenbach, ausgewandert nach New York
Sophie, geb. 28. 4. 1889 in Hollenbach verh. mit [?] Mainzer in Frankfurt/Main, Rhönstr. 2
Meta, geb. 14. 4. 1893 in Hollenbach, gest. in Niederstetten am 15. 8. 1935
Umzug 1935 nach Frankfurt/Main zur Tochter Sofie Mainzer geb. Kahn, Rhönstr. 2
"Durch Hausverkauf der Tochter Meta unter ungünstigen Verhältnissen gelebt zum zum Wegzug nach Frankfurt.
Gest. in Frankfurt/Main
"Die früheren Nachbarn der [?] Kahn Herr Hermann Scharpf, Bückenweiler und Herr Eugen Nörr, Land- u. Gastwirt hier können, wenn nötig, weitere Aussagen machen. Die Familie Lehmann Kahn ist etwa 1900 von Hollenbach hierher gezogen. Sie betrieb ein kleines Ladengeschäft in der Manggasse. Der Ehemann ist 19. 5. 1902 gestorben. Etwa 1930 verkaufte die We. Jette Kahn dieses Geschäft und zog mit der Tochter Meta, welche ein kleineres Wohnhaus Nr. 235 in der langen Straße erwarb, dortin. Sie wohnte bis zum Jahr des Todes 1935 dort u. zog dann zu ihrer Tochter Sofie Mainzer nach Frankfurt/Main u. soll dort gestorben sein. Die Familie Kahn lebte in geordneten Verhältnissen bis 1933. Die Familie war geachtet u. hatte ein gutes Verhältnis mit ihren Mitbürgern."Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-200 ff.
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Liss, Jeanne geb. Levi
Geb. 26. 5. 1913 in Antwerpen
Bürokraft, jetzt Hausfrau
Heirat mit Howard früher Lissauer, geb. 17. 3. 1913
Eltern:
Michael Levi, geb. 7. 10.1878, für tot erklärt 8. 5. 1945
Else geb. Seligmann, geb. 22. 12. 1881, für tot erklärt 8. 5. 1945
Kinder:
"jetzt 1 Sohn geb. 1944"
Auswanderung mit Bruder Sept. 1938 in die USA
"1921-1929 Jüd. Volksschule in Niederstetten
1929-1932 Handelsschulausbildung
1932-1934 Bürokraft bei ihrem Vater
1934-1936 Lehrschwester in Frankfurt. Konnte kein Examen machen
1936-1938 Jüd. Altersheim Gailingen
In den USA als Krankenhilfe gearbeitet. Jetzt nebenberuflich als Maniküre tätig. Einkünfte $ 80,- p.M. Ehemann verdient $ 240,- p.M. (1958)http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-288
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Oberndörfer, Gertrud
Geb. 24. 6. 1903 in Braunsbach
24. 10. 1933 mit Eltern und Geschwistern nach Frankfurt/Main umgezogenQuelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-329 ff.
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Oberndörfer, Helene geb. Oberndörfer
Geb. 14. 3. 1866 in Creglingen
Hausfrau
Heirat: 30. 8. 1897 in Bad Mergentheim
Ehemann: Isak Oberndörfer, geb. 27. 1. 1866
Kinder:
Lazarus Oberndörfer, geb. 14. 6. 1901 in Braunsbach
Gertrud Oberndörfer, geb. 24. 6. 1903 in Braunsbach
Gitta Oberndörfer, geb. 22. 11. 1905 in Braunsbach
Umzug mit Ehemann und Kindern 24. 10. 1933 nach Frankfurt/MainQuelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-333 ff.
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Oberndörfer, Isak
Geb. 27. 1. 1866 in Creglingen
Lehrer
Heirat: 30. 8. 1897 in Bad Mergentheim
Ehefrau: Helene geb. Oberndörfer, geb. 14. 3. 1866 in Creglingen
Kinder:
Lazarus, geb. 14. 6. 1901 in Braunsbach
Gertrud, geb. 24. 6. 1903 in Braunsbach
Gitta, 22. 11. 1905 in Braunsbach
Umzug 24. 10. 1933 nach Frankfurt/Main
"Herr Lehrer Oberndörfer ist von Braunsbach Kreis Künzelsau als Lehrer an die hiesige Isrealitische Schule im Jahr 1914 berufen worden. Er war ein tüchtiger Lehrer. Seine Familie Ehefrau und 3 Kinder befand sich in recht geordneten Verhältnissen u. genoß in der ganzen Gemeinde Achtung und Ansehen. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren geordnet. Karl Fetzer, Bahnangestellter a.D. u. Geschwister Mayer, Schlosserei hier, bei denen die Familie Oberndörfer während ihres Hierseins wohnte, können erforderlicherseits weitere Auskunft geben.
Das Schicksal der Familie nach 24. 10. 1933 des Wegzugs nach Frankfurt/Main ist hier nicht bekannt."Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten,http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-335
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Oberndörfer, Lazarus
Geb. 14. 6. 1901 in Braunsbach
Lehrer
24. 10. 1933 mit Eltern und Geschwistern Umzug nach Frankfurt/MainQuelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-337 ff.
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Sammt, Albert
24. 4. 1889, Niederstetten - 21. 6. 1982, Bad Soden (Taunus)
Grabstein auf dem Friedhof in Niederstetten (2021)
Vater: Eduard Sammt aus Saalburg an der Saale (Thüringen)
Mutter: Luise geb. Schönemann "aus dem Murrhardter Wald"
Berufliche Tätigkeit der Eltern: Seilerei und Kolonialwarengeschäft in Niederstetten
9 Kinder1909: Meldet sich freiwillig zum Militärdienst (122. Infanterieregiment)
1912: Auf Vermittlung von Bruder Fritz Zellenpfleger und Seitensteurer beim Luftschiffbau Zeppelin in Frankfurt/Main
1917: Heirat in Baden-Baden mit Johanna Glasstetter, jüngste Tochter vom Gasthof "Schwert" in Baden-Oos
1919: Umzug nach Berlin-Staaken, Geburt der Tochter Ingeborg
Steuermann an Bord von Zeppelin LZ 120 "Bodensee"
1924: Geburt von Sohn Rolf
Während der ersten Atlantik-Überquerung des Zeppelins LZ 126 Höhensteuermann
1927: Versetzung nach Friedrichshafen zu LZ 127 "Graf Zeppelin", zunächst als Höhensteuermann, später als Navigationsoffizier
6. Mai 1937: Katastrophe in Lakehurst mit Sammt als Erster Offizier an Bord von LZ 129
Juni 1937: Ehrenbürger von Niederstetten
15. September 1937: Zulassung als Luftschifführer ("Luftfahrerschein Nr. 7")
5. November 1938: Kommandant des LZ 130 "Graf Zeppelin II", letztes deutsches Luftschiff
20. August 1939: Letzte Fahrt von LZ 130
[23. Oktober 1941: Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP, ab 1. Januar 1942 Mitglied (Mitglieds-Nr. 8.827.359)]1
Zweiter Weltkrieg: "Von der Deutschen Zeppelin-Reederei für den Bau und die Wartung von Sperrballonen eingesetzt"
Nach 1945: "bei der Kohlenunion, einer Tochtergesellschaft von Raab-Karcher". "Er betreute große Industriebetriebe zwischen Mannheim und Kassel."
3. November 1965: Tod der Ehefrau
1966: Setzt sich zur Ruhe und lebt von 1967 bis 1982 in Überlingen am Bodensee
21. Juni 1982: Stirbt beim Besuch seiner Tochter Ingeborg in Bad Soden
Beisetzung auf dem Friedhof in Niederstetten
Juli 1982: Einrichtung des "Albert-Sammt-Zeppelin-Museums" in Niederstetten
(Nach Angaben von Tochter Ingeborg Sammt-Lantzsch)-----
Ergänzung: Bei den Reichsparteitagen der NSDAP 1933, 1934, 1935 und 1936, bei denen der Zeppelin als Propagandainstrument der Nazis eingesetzt wurde, war Sammt als Besatzungsmitglied des Luftschiffs an Bord. „Ausschließlich der Wahlpropaganda für die NSDAP und den Führer“ diente eine dreitägige Zeppelin-Fahrt im März 1936, an der Sammt ebenfalls teilnahm. „Unzählige Zettel mit dem Wahlspruch ‚Sagt JA zu Hitler‘ waren bereitgestellt, um über den Städten abgeworfen zu werden. Außerdem waren riesige Lautsprecher an den Schiffen montiert worden, mit denen die Parolen und Marschmusik zur Erde geschmettert werden sollten.“ Als Hitler nach dem „Münchner Abkommen“ am 2. Dezember 1938 zu einer Propagandaveranstaltung in das annektierte Reichenberg (Sudetenland) kommt, soll das Luftschiff „Graf Zeppelin“ mit Kommandant Sammt an Bord Hitlers Auftritt „eine besondere Note“ verleihen. „Als besondere Attraktion hatte man uns etwa dreißig Hakenkreuzfahnen aus leichtem Papier von zirka 1,5 auf 3 Meter Größe an Bord mitgegeben. Die wurden aus dem Kommandostand in der unteren Heckflosse abgeworfen, worauf sie langsam an Fallschirmen zur Erde sanken. Dann wurden noch zentnerweise Zettel mit dem Spruch: ‚Dein JA dem Führer!‘ abgeworfen.“2
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Inzwischen erschienen: Günther Emig, Albert Sammt (1889–1982) und Wilhelm Bernheim (1874–1953), zwei Niederstettener Ehrenbürger. In: Württembergisch Franken. Herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken. Band 107. Schwäbisch Hall 2023, S. 281-296
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1 NSDAP-Zentralkartei | BArch R 9361-VIII KARTEI / 18231343. – "Meine Familie und ich wurden vor meinem Eintritt [in die NSDAP] wiederholt wegen Ablehnung des Parteiprogramms und wegen Judenfreundlichkeit angegriffen. Dies erfolgte insbesondere von meinem Heimatort Niederstetten bei Bad Mergentheim aus. Ich hatte früher meinen Wohnsitz in Niederstetten, bin dann aber in den letzten Jahren nicht mehr dorthin gegangen, weil Niederstetten besonders parteimässig eingestellt war und ich ständig Schwierigkeiten hatte." (Gesuch des Luftschiffkapitäns Albert Sammt, Frankfurt am Main-Niederrad, Neuwiesenstr. 25, an den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Main), 30. 10. 1945) – Entscheid der Spruchkammer am 14. 6. 1947: Sammt wird als Mitläufer eingestuft und hat eine "Geldsühne" von 1.000 RM zu leisten.
2 Angaben von Albert Sammt selbst in seinem Buch: Mein Leben für den Zeppelin. Mit e. Beitr. von Ernst Breuning, bearb. u. ergänzt von Wolfgang von Zeppelin und Peter Kleinheins. 3. Auflage. Verlag Pestalozzi-Kinderdorf, Wahlwies 1994, ISBN 3-921583-02-0, S. 135f-137 und S. 171-172