Landrat Wöhrle
Landrat Wöhrle
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11. Juli 1937. Amtseinsetzung von Bürgermeister Pg. Karl Weber
Niederstetten, 11 Juli. (Amtseinsetzung.) Am Freitag nachmittag erfolgte die feierliche Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters im Sitzungssaale des Rathauses. Der 1. Beigeordnete und stellv. Bürgermeister Melber eröffnete die Sitzung und erteilt und erteilte Pg. Landrat Wöhrle-Gerabronn das Wort. Dieser nahm die Amtseinsetzung des neubestellten Bürgermeisters, Pg. Paul Weber-Adelberg vor, und wies ihn auf die Pflichten eines Ortsvorstehers hin. Hierauf sprach Kreisleiter Seitz-Bad Mergentheim und wünschte eine gute Zusammenarbeit zwischen der Kreisleitung, der Ortsgruppe und dem Rathaus. Pg. Bürgermeister Künzlen-Bad Mergentheim begrüßte ihn als neuen Kollegen im Auftrage der Kreisamtsleitung zur Kommunalpolitik. Stadtpfleger Pflüger wies auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit dem bisherigen Bürgermeister hin und versprach, zugleich auch im Namen aller Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadtgemeinde treue Mitarbeit zu leisten. Als nunmehr scheidender Bürgermeister wünschte Pg. Schroth seinem Nachfolger eine segensreiche Arbeit in seinem neuen Wirkungskreise. Zum Schluß dankte der in sein Amt eingesetzte Pg. Weber allen Rednern für die Willkommgrüße, insbesondere dankte er dem Gemeinderat für die Uebertragung des Amtes und für das ihm geschenkte Vertrauen und erbat sich die Unterstützung des Oberamts, der Kreisleitung und des Gemeinderats in seinen Amtsgeschäften. – Abends fand dann in der dichtbesetzten Turnhalle eine allgemeine Begrüßungsfeier unter der Mitwirkung des Männergesangvereins und der Ortsgruppenkapelle statt. Nachdem der erste Beigeordnete alle erschienenen Gäste begrüßt hatte, übergab er das Wort Pg. Bürgermeister Weber. Dieser dankte in seiner Ausführung für die ihm zuteil gewordene Ehre, Bürgermeister der Stadt Niederstetten sein zu dürfen und gab, unter Darlegung seines Lebenslaufes, ein Bild von seinem bisherigen Tätigkeitsfelde. Er bat die Einwohnerschaft, ihm volles Vertrauen entgegenzubringen und versprach, seine ganze Kraft für das Wohl der Stadt einzusetzen. – Nach der Rede des Pg. Weber begrüßte ihn Ortsgruppenleiter Thomas als neuen Parteigenossen. Gewerbeoberlehrer Sigelen im Namen sämtlicher Schulen und der Lehrerschaft. Bürgermeister Gräter-Hermutshausen sprach als Vorsitzender des Gemeindeverbandes E. W. Hohebach-Ingelfingen. Bürgermeister Herzog-Bartenstein-Riedbach lobte das gute nachbarliche Verhältnis dieser Gemeinden mit Niederstetten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dasselbe auch weiterhin bestehen und noch vertieft werden möge. – Wie sehr Pg. Weber in seiner bisherigen Gemeinde Adelberg geliebt und geachtet war, bewies die Tatsache, daß zwei Vertreter dieser Gemeinde bei der Amtseinsetzung anwesend waren. Ortsbauernführer Seitzer-Adelberg hob das einmütige Zusammenwirken zwischen Rathaus und der ganzen Bürgerschaft hervor und drückte sein lebhaftes Bedauern über den Weggang ihres Bürgermeisters aus und beglückwünschte die Stadtgemeinde Niederstetten zu ihrem neuen Bürgermeister und fügte an, daß die Wahl bestimmt zu ihrem Nutzen ausfallen werde. – Als weitere Redner sprachen noch für die evangelische Kirchengemeinde, Stadtpfarrer Göltenboth, für den Kreis Gerabronn Landrat Wöhrle und der bisherige Bürgermeister Schroth. In längerer Ausführung legte letzterer die Zukunftsaufgaben in der Stadtverwaltung dar.
Der Franke, 12. 7. 1937
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12. Mai 1934. Schulhauseinweihung
Niederstetten, 12. Mai. (Schulhauseinweihung.) Endlich hat Niederstetten sein neues Schulhaus erhalten und dafür aber auch etwas von wirklichem Werte. In dem früheren fürstl. Fruchtspeicher, am Fuße des Schloßberges gelegen, schuf Baumeister Baumann-Niederstetten unter Wahrung des altertümlichen Charakters des Bauwerkes, (der angebaute Turm sieht unter Denkmalschutz) ein wirkliches Vorbild eines modernen Schulhauses. Rein äußerl. schon bietet sich ein Bild voller Harmonie und paßt sich vollkommen in seine Umgebung ein. Der Einweihung, welche um 14 Uhr mit einem Festzug vom Marktplatze eingeleitet wurde, wohnten sehr viele Gäste bei. Es waren Vertreter der Landesregierung erschienen: Der stellv. Gauleiter Schmidt, Ministerialdirektor Dr. Dill-Stuttgart; der Behörden: Regierungsrat Stümpfig-Stuttgart, Regierungsrat Frohmann-Stuttgart, Schulrat Seizinger-Hall, Prof. Dr. Seibold-Heilbronn, Landrat Wöhrle-Gerabronn, Kreisbauernführer Philipp-Wittenweiler, Kreisgeschäftsführer Walter-Blaufelden, die Fachschaft der Ortsvorsteher des Kreises Gerabronn, sowie der NS.-Lehrerbund Gerabronn und Bad Mergentheim. Die Einwohnerschaft nahm regsten Anteil, fahnengeschmückte Straßen; Feststimmung überall. Am Schulhausneubau angekommen, begrüßte Bürgermeister Schroth (dessen Initiative es in erster Linie auch zu verdanken ist, daß dieses Werk zustande kam) die Anwesenden und übergab die Schlüssel der neuen Schule Oberlehrer Wahl, welcher seinerseits in kurzen Worten die Entstehung des Baues erklärte, sowie die Einrichtung desselben. Für die Bauarbeiter trug Arbeiter Joh. Reis ein selbstverfaßtes Gedicht vor.
Anschließend erfolge die Besichtigung der Schulräume, in welcher nun die evang. Volksschule, die Realschule und die Gewerbeschule in 5 modern eingerichteten Unterrichtsräumen untergebracht sind. Ferner sind vorhanden: Lehrmittel- und Lehrerzimmer, Aufenthaltsraum für die Schüler, Hauswirtschaftsküche und im Erdgeschoß ein großes Brausebad. Sämtliche Räume besitzen reichliches elektrisches Licht durch moderne Beleuchtungskörper, Zentralheizung, Radioanschluß und fließendes Wasser. Nach der Besichtigung setzten sich die Einweihungsfeierlichkeiten in der Turnhalle fort. Bürgermeister Schroth erklärte hier in einer längeren Rede den Sinn, Zweck und Ausführung des neuen Hauses, man spürte daraus, mit welcher Energie das Werk begonnen und durchgeführt wurde und daß es nur deshalb so wohlgelingen konnte, weil jeder der an dem Bau beschäftigten Handwerker und Arbeiter sein Bestes an Können gab und erst in zweiter Linie nach dem finanziellen Ergebnis ihres Fleißes fragten. Die Vertreter der Behörden beglückwünschten in Ansprachen die Stadtgemeinde zu ihrem neuen Schulhaus, denn es sei mit verhältnismäßig geringen Mitteln, (an der Leistung gemessen) ein Werk erstellt worden, das für Generationen unserer Jugend und damit Deutschlands Zukunft dient; denn Wissen ist Macht. Die Vorstände der in der Schule untergebrachten 3 Schulen gedachten in Reden der früheren Schulverhältnisse. Als Dank an die Regierung für die geleistete Beihilfe zum Gelingen des Wertes übergab nun Bürgermeister Schroth namens der Stadt an Ministerialdirektor Dr. Dill Ferienscheine für 5 SA.-Männer für je 14 Tage. Die eingelegten Pausen wurden von der Kreismusikkapelle ausgefüllt, welche wie immer lebhaften Beifall erntete.
Der Franke, Nr. 113, 18. 5. 1934
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14. Mai 1933, Richtfest auf dem Eichhof
Niederstetten, 14. Mai. (Richtfest auf der Siedlung Eichhof.) Anläßlich der Aufrichtung des letzten Neubaues der Bauernsiedlung Eichhof lud die "Württ. Landsiedlung G. m. b. H., Stuttgart", zu einer schlichten Feier auf dem Eichhof ein. Anwesend waren Staatskommissar Arnold, Präsident Aichele, Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Hege und Geschäftsführer der Landsiedlung, Herter. Außerdem fanden sich ein Herr Landrat Wöhrle, die Stadtverwaltung, der Gemeinderat, die Vertreter der Behörden von Niederstetten und die Beteiligten an der Bezirksschulversammlung, die am Vormittag in Niederstetten stattfand. Geschäftsführer Herter und Architekt Brett führten zunächst die zahlreichen Gäste durch die Neubauten der Siedlung und erklärten deren zweckmäßige Einteilung und Ausstattung. Anschließend daran folgte eine Führung durch die zur Siedlung gehörigen Felder, wobei Oekonomierat Hege die Bewirtschaftung und Verteilung der Grundstücke erläuterte. Die eigentliche Feier des Richtfestes wurde vom Geschäftsführer Herter geleitet und von Chorgesängen der anwesenden Lehrer umrahmt. Präsident Aichele schilderte zunächst wie die Siedlung zustande kam. Der Eichhof soll Muster sein für kommende Siedlungen, er soll sein ein Stein zum Aufbau des neuen deutschen Reiches. Staatskommissar Arnold übermittelte Größe von Staatsrat Lehnich. Arbeitsdienst und Siedlungen sind wichtige Bestandteile im Vierjahresplan des Führers. Die Rettung des Bauernstandes, des Grundpfeilers des Volkes, ist die vornehmste Aufgabe der nationalen Regierung. Der besten Größe und Wünsche der Landwirtschaftskammer brachte Dr. Grammer als deren Vertreter zum Ausdruck. Mit beredten Worten gab Bürgermeister Schroth seiner Freude darüber Ausdruck, daß die erste württembergische Siedlung in der Gemeinde Niederstetten entstanden ist. Er dankte allen Mitarbeitern für die geleistete Arbeit. Steuerliche Erleichterung für die Siedler in den kommenden Jahren soll ein äußeres Zeichen des Dankes sein. Grüße übermittelte Bürgermeister Schroth vom Landw. Bezirksverein, von der Zuchtviehgenossenschaft, von Herrn Amtsgerichtsrat v. Baur-Langenburg und dem Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach, der der Siedlung die Straßenbeleuchtung kostenlos zur Verfügung stellt. – Großes Interesse wurde auch dem Lager sowie der Tätigkeit des freiwilligen Arbeitsdienstes entgegengebracht. - Mögen den Siedlern auf eigener Scholle glückliche Zeiten winken!
(Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 111, 15. 5. 1933, S. 4)
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16. März 1931. Das Rote Kreuz in Niederstetten
Das „Rote Kreuz in Niederstetten.
() Niederstetten, 16. März. Unsere vor ein und einem halben Jahr gegründete Sanitätsabteilung vom „Roten Kreuz“ hatte am Sonntag ihre Prüfung zu bestehen, um ihre Aufnahmewürdigkeit als Sanitätskolonne in den Württ. Landesverband der freiwilligen Sanitätskolonnen zu beweisen. Zu diesem Ehrentag der jungen Kolonne waren viele Gäste erschienen. Vom Landesverband vom Roten Kreuz war Herr Inspektor Zorn von Stuttgart gekommen, ferner der Bezirksvorsitzende des Jagstkreises Herr Oberlehrer Köhler Gmünd, sehr gut vertreten war auch die Mutterkolonne Bad Mergentheim mit ihrem Führer Herrn Kaufmann Schell und dem prüfenden Arzt Herrn Dr. Sambeth, teils durch große Abteilungen, teils durch Abordnungen waren vertreten die Sanitätskolonnen Künzelsau, Oehringen, Ellwangen, Crailsheim, Heidenheim, Unterkochen und die neugegründete Sanitätsabteilung Weikersheim, außerdem hatten durch ihr persönliches Erscheinen die Herren Landrat Wöhrle-Gerabronn und Landrat Geisler-Mergentheim ihr Interesse bekundet. Vormittags um 10 Uhr nahm Herr Inspektor Zorn die fachliche und wirtschaftliche Prüfung der hiesigen Sanitätskolonne vor, welche zur besten Zufriedenheit ausfiel. Besonderes Lob spendete Herr Zorn den Uniformröcken, welche ganz und gar ein Produkt hiesiger Handwerksarbeit sind. Angefertigt sind die Röcke von den hiesigen Schneidermeistern, der Stoff ist Anfertigung der hiesigen Tuchmacherei J. Zink. Diese Tatsachen müssen aus Anlaß der Handwerkerwoche wohl hervorgehoben werden, Kurz vor zwei Uhr traten alle Sanitätskolonnen vor dem Rathaus an. Nach dem erfolgten Alarm fand man alle Sanitäter auf dem sehr glücklich gewählten Uebungsfeld an der neuen Wildentierbacherstraße. Da lagen denn Leicht- und Schwerverletzte recht erbarmungswürdig herum und die Sanitäter der hiesigen Kolonne nahmen sich ihrer an. Jeder Verletzte trug auf einem Zettel seine Wunden verzeichnet. Ein Sanitätsauto schaffte die Verwundeten nach der Streitberger'schen Dreschhalle, wo die theoretische Prüfung an Hand der Verwundungen und der geleisteten Hilfe stattfand. Herr Dr. Sambeth nahm die Prüfung vor. Wer dieser Prüfung in ihrer Sachlichkeit und Gründlichkeit beigewohnt hat, für den steht der Segen des „Roten Kreuzes“ außer Frage. Von den jungen Sanitätern wird wirklich weitgehendes Wissen auf dem Gebiete der ersten Hilfe verlangt. Jeder einzelne Fall wurde durchgegangen, auf Ursache und Wirkung geprüft, jeder Verband wurde besichtigt und Aufklärung darüber verlangt, warum gerade so u. nicht anders im ersten Augenblick gehandelt werden mußte. Erfreut war Herr Dr. Sambeth schon durch den schnellen Anmarsch, die Hilfsbereitschaft der Kolonne. Dann war bemerkenswert. daß die Hilfeleistung nicht übereilt erfolgte, sondern daß die Ausführung der Verbände sicher und ruhig erfolgte. Herr Dr. Sambeth stellte der jungen Kolonne ein sehr gutes Zeugnis aus. Herr Inspektor Zorn-Stuttgart erklärte namens des Präsidiums vom Württ. Landesverein vom „Roten Kreuz” auf Grund des glänzenden Ausfalls der heutigen Prüfung die hiesige Sanitätskolonne als in den Bezirk IV des Verbandes für aufgenommen. An die Prüfung schloß sich ein Marsch aller Sanitätskolonnen durch unsere Stadt unter Vorantritt der Stadtkapelle. Dann fand eine offizielle Feier im Postsaale statt, welche Herr Kolonnenführer Wild eröffnete. Den Reigen der Redner eröffnete Herr Bürgermeister Schroth, welcher für den Kolonnenführer das Wort ergriff und namens der Sanitätskolonne Niederstetten u. namens der Stadtgemeinde den Willkommgruß entbot. Dann galt es für die rege Förderung des Werdens der Kolonne zu danken. In erster Linie war es das Präsidium in Stuttgart, dann der eifrige Förderer der Sache, Herr Landrat Wöhrle, der unermüdliche Führer der Mutterkolonne Bad Mergentheim, Herr Schell, die hiesige Gemeinderat, der Kriegerverein und der Ortskrankenkasse Gerabronn, welchen dieser Dank zu Teil wurde. Besonderen Dank spendete Herr Bürgermeister Schroth auch dem Herrn Dr. Sambeth Bad Mergentheim und dem früheren Arzt der Kolonne, Herrn Dr. med. Spatz (jetzt in Bopfingen) und dem jetzigen Leiter Hrn. Dr. med. Dörr. Dann erinnerte Hr. Bürgermeister Schroth an die vielen Schwierigkeiten, welche im Wege des Aufbaues einer Sanitätskolonne liegen. Er hoffe, daß die Mitglieder ihr die Treue halten und neue Mitglieder werben. Im weiteren überbrachte Herr Bürgermeister Schroth die Grüße des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und des Prinzen Friedrich von Hohenlohe, welche leider am Erscheinen verhindert waren. Auch Fürst Ernst zu Hohenlohe-Langenburg hatte brieflich sein Bedauern ausgedrückt, nicht erscheinen zu können. Der Bezirksvorstand vom „Roten Kreuz“, Herr Landrat Wöhrle, entbot seine Glückwünsche. Wenn er der neuen Sanitätskolonne wünsche, daß sie immer ihre Aufgabe erfüllen möge, denke er nicht an Krieg. Wer heute die Zeitungen liest, welche von Verkehrsunfällen, Erdbeben und sonstigen Naturereignissen in Fülle berichten, weiß, daß die Sanitätskolonnen einen weiten Wirkungskreis haben. Herr Inspektor Zorn erklärte, er werde in Stuttgart mit Freuden dem Präsidenten von dem schönen Erfolg der hiesigen Sanitätskolonne berichten. Herr Stadtrat Stern überbrachte dis Glückwünsche des Gemeinderats. Die Großtaten des Roten Kreuzes im Kriege werden der heutigen Generation zeitlebens unvergeßlich sein. Erfreulich sei der frische Zug zu friedlicher Tat, welcher heute das Rote Kreuz belebe. Was unsere jungen Leute in der Sanitätskolonne lernen, sei etwas Bleibendes, welches allen Menschen zu Gute komme und täglich im Leben geübt werden könne. Herr Bezirksvorsitzender Oberlehrer Köhler-Gmünd führte aus: „Wenn es so viele Glückwünsche gibt, muß wohl ein Fest gefeiert werden und das heutige Fest sei ein Familienfest, denn die Sanitätskolonne Bad Mergentheim habe durch ihre Tochterkolonne Niederstetten Familienzuwachs bekommen, welcher durch die Sanitätsabteilung Weikersheim bald weiterer Zuwachs folgen werde. Aber nicht nur in den Verband der Sanitätskolonnen soll die hiesige Kolonne aufgenommen werden, sondern auch in den Kreis und Geist der Kameradschaft. Er wünsche, daß auch die hiesige Kolonne diesen Geist pflegen möge. Herr Kolonnenführer Schell-Bad Mergentheim drückt die Freude seiner Kolonne über so guten Zuwachs aus und hofft, daß die Tochter der Mutter zur Ehre gereichen möge. Herr Dr. Sambeth kleidete seinen Glückwunsch in einen poetischen Vergleich. Das Samenkorn, welches hier vor längerer Zeit der Erde anvertraut worden sei, habe lange geschlummert. Erst als der richtige Gärtner gekommen sei, sei das Samenkorn erwacht u. zu einem schmucken Bäumchen gediehen. welches heute in das Eden, den Verband vom Roten Kreuz verpflanzt worden sei. Möge dieses Bäumchen im Boden der Nächstenliebe kräftig Wurzel fassen. Zum Schlusse dankte Herr Bürgermeister Schroth namens der Sanitätskolonne für alle Ehre des Tages. Hierauf schloß Hr. Bezirksvorsitzender Köhler-Gmünd das vom Geist der Kameradschaft und der Nächstenliebe getragene Bankett. Die Stadtkapelle hatte zwischen den Reden den Verlauf des Festes durch gut gespielte Musikstücke gehoben. Möge die hiesige Sanitätskolonne ihre Begeisterung für die gute Sache sich allezeit bewahren, nach dem Wahlspruch der Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“Vaterlandsfreund, Nr. 63, 17. 3. 1931
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24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth
Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.Der Franke, 24. 5. 1937
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26. September 1933. Weihetage
Weihetage in Niederstetten.
Strahlender Himmel wölbte sich über der Feststadt, als in den frühen Morgenstunden der Weckruf der SA-Kapelle Blaufelden erschallte. Die braunen Sturmscharen sammelten sich und zogen vors Städtchen, um die Zeit bis zum Feldgottesdienst zu Uebungen, Appellen usw. zu benützen. Der Hofgarten gab einen würdigen Rahmen für den Festgottesdienst, der von Stadtvikar Leihenseder abgehalten wurde. Anschließend marschierten die SA-Abteilungen zum Eichhof. Für Zuschauer bei der Uebergabefeier war Pendelverkehr mit Autos eingerichtet worden, sodaß es jedermann möglich war, an dieser Feier teilzunehmen. Inzwischen waren auch die Vertreter der Regierung, Staatssekretär Waldmann und Ministerialrat Dr. Dill, sowie die Vertreter der "württ. Landessiedlung G. m. b. H." eingetroffen. Geschäftsführer Herter konnte die Feier mit der Begrüßung der Ehrengäste eröffnen. Er bat um gerechte Beurteilung des Siedlungswerkes. Es folgte nun ein ausführlicher Bericht über die Entstehung und Einteilung der Siedlung. Auf der 80 Hektar großen fürstlichen Domäne wurden 9 Siedlungsstellen geschaffen, und zwar 3 große Stellen mit je 43 Morgen und 6 kleinere Stellen mit je 30 Morgen Land. 25 Unternehmer und rund 100 Arbeiter waren beschäftigt. Die gesamten Kosten belaufen sich auf 165 000 RM., sodaß eine Siedlerstelle auf 23 400 RM. bezw. 16 000 RM. kommt. Mit dem Dank an alle Mitarbeiter übergab er dann den neuen Weiler in die Obhut der Stadt Niederstetten. Hierauf ergriff Bürgermeister Schroth das Wort. Im Namen der Stadt begrüßte er die hohen Gäste, insbesondere unseren Landsmann Ministerialdirektor Dr. Dill. Die gesamte Gemeinde sei stolz darauf, die erste württ. Bauernsiedlung, die ja für kommende Siedlungen als Muster gelte, zu besitzen und so auch am Wiederaufbauwerk Adolf Hitlers mitgearbeitet zu haben. Mit der Versicherung, die Siedlung gewissenhaft zu betreuen, übernahm Bürgermeister Schroth dieselbe in die Obhut der Stadt. Für seine Kollegen sprach der Siedler Hermann (v. d. Siedlungstelle IV). Der heutige Tag, an dem sie ihre neue Heimat übernehmen, sei für sie ein Ehrentag. Mit den Grundsätzen: "Einer für alle, alle für einen" und "Treue um Treue" wollen sie ihren neuen Lebensabschnitt beginnen. Landrat Wöhrle überbrachte die Glückwünsche des Bezirkes. Die Bevölkerungsziffern des Bezirks in den letzten Jahrzehnten streifend, begrüßte er es, daß dem flachen Lande wieder aufgeholfen werden sollte und daß bereits eine 2. Siedlung im Bezirk in Angriff genommen worden sei. Kreisbauernführer Philipp erinnerte an das Rettungswerk Adolf Hitlers, durch das es ja eigentlich erst möglich war, zu siedeln, das Volk wieder zurückzuführen zu Blut und Boden. Auch den 2. und 3. Bauernsöhnen muß wieder Gelegenheit zur Selbständigmachung gegeben sein. D. Haffa sprach im Auftrag des Landesarbeitsamts Südwestdeutschland. Darauf ergriff Staatssekretär Waldmann das Wort. Er übermittelte die Grüße des leider verhinderten Reichsstatthalters Murr. Als er heute morgen hierher fuhr, sei ihm der Unterschied zwischen Franken und Schwaben so recht zum Bewußtsein gekommen. Begeisterung und Freude sei den Bewohnern des Frankenlandes von den Gesichtern abzulesen gewesen. Dank der guten Vorarbeit von Gauleiter Schmidt und Bürgermeister Stümpfig sei das Hohenloher Land und besonders der Bezirk Gerabronn zu einer Hochburg der NSDAP. geworden. Die Hohenloher seien ja auch sehr zahlreich in der neuen Regierung vertreten. Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung mußte auch bei uns in Württemberg der Gedanke der Siedlung aufgegriffen werden. Auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten kam man auf den Eichhof. Er soll Mustersiedlung für unser Land sein. Hessen führe zur Zeit eine großzügige Landesplanung durch. Die werde vielleicht auch Vorbild für uns werden. Nur durch wirtschaftliche Stärkung kann unser Volk wieder zu seiner äußeren Freiheit gelangen. Ministerialdirektor Dr. Dill gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er als geborener Niederstettener der Uebergabe des Eichhofes, auf dem er schon als Kind spielte, beiwohnen dürfe. Eine herrliche Anlage sei aus dem früher so einsamen Hof geworden. sein Dank galt dem tatkräftigen Bürgermeister von Niederstetten und dem Freiwilligen Arbeitsdienst, der hier etwas Vorbildliches geschaffen hätte. Siedeln sei eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Durch die Besiedelung des deutschen Ostens werden die Polen bei ihren Ausdehnungsbestrebungen nach Westen einen starken Wall deutscher Bauern finden. Er grüßte auch im Namen des Innenministers die 9 Siedler, auf die er ein Sieg-Heil ausbrachte. Nach Direktor Jäckle, der die Grüße und Wünsche des dienstlich verhinderten Landesbauernführers überbrachte, ergriff unter stürmischen Beifallkundgebungen der stellvertr. Gauleiter Schmidt das Wort. Der Hohenloher Bauer marschiere immer an der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der Bewegung Adolf Hitlers. Deshalb hatte der Hohenloher Bauer auch ein gewisses Vorrecht, die erste württembergische Siedlung zu bekommen, er habe auch als erster alte Parteipfähle zum Wanken gebracht. Der Nationalsozialismus sorgt dafür, daß die bäuerliche Existenz gesichert sei. Auch württ. Bauernsöhne sollen bei den 15 000 Siedlungsstellen im Norden und Osten des Reichs entsprechende Berücksichtigung finden. Ein Volk kann nur leben, wenn es einen gesunden Bauernstand hat. Deshalb ist beim Bauer [?] ständische Vertretung durchgeführt worden. Er [?] ein Sieg-Heil auf den schwäbischen Bauern aus. Bürgermeister Schroth dankte allen Rednern und allen, die an der ersten württ. Bauernsiedlung mitgeholfen haben. Voll Zuversicht wollen wir kommenden Zeiten entgegensehen. Mit dem Deutschlandlied fand die Feier ihren Abschluß. Es folgte nun ein Rundgang durch die Siedlung. Eine dichte Menschenmenge wartete inzwischen auf dem Marktplatz auf die Weihe des Horst-Wessel-Brunnens, die Kreisleiter Stümpfig vornahm. Niederstetten gleiche einer neu erwachten Stadt. Ueberall sehe man frohe Gesichter, buntes Leben herrsche in den reich beflaggten Straßen, die nach den Führern des dritten Reiches benannt seien und deren eine ab heute ab den Namen des württ. Führers Wilhelm Murr trage. Auch die Hülle dieses Brunnens möge nun fallen, der den Namen Horst Wessels trage. Durch sein Opfer sei neues Leben in unser Volk gekommen. Von jedem Einzelnen müsse dieselbe Hingabe verlangt werden. Dann übergab Kreisleiter Stümpfig den Brunnen in die Obhut der Stadt. Das Horst Wessellied klang über den Marktplatz. Bürgermeister Schroth dankte dem Kreisleiter für die Uebergabe des Brunnens. Im Sinne Wessels soll er gepflegt u. behütet werden. Pg. Kraushaar, der erste Leiter der hiesigen Ortsgruppe d er NSDAP, wandte sich an die Jugend. Wer den Brunnen schändet, schändet Blut und Boden. Nach dem Lied "Deutscher Glaube" schritt Bürgermeister Schroth zur Ehrung unseres Reichsstatthalters. Als Gegenleistung für die beiden Wahrzeichen, Eichhofsiedlung und heute Wessel-Brunnen, die unserer Stadt heute geschenkt worden seien, wurde Reichsstatthalter Murr zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und die künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde an dessen Stellvertreter, Staatssekretär Waldmann, übergeben. Bürgermeister Schroth brachte ein Sieg-Heil auf unseren schwäbischen Führer aus. Die Feier klang mit dem Deutschlandlied aus Am Nachmittag war ein eindrucksvoller Propagandamarsch durch die Straßen der Stadt. 1500 Mann SS, SA, HJ und der freiw. Arbeitsdienst nahmen daran teil. Auf der Jahnwiese erfolgte der Aufmarsch. Es folgte zunächst eine Gefallenengedenkfeier. Kreisleiter Stümpfig eröffnete dann den Kreismitglieder-Kongreß [?] der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der [?]stellv. Gauleiter Schmidt und Ministerialrat Dr. Dill sprachen über die wichtigsten Aufgaben des nationalsozialistischen Staates. Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete die Landung eines Segelflugzeuges, das von Ing. Höges Ingelfingen gesteuert wurde und der historische Winzertanz unter Leitung von Rich. Knenlein. Der Winzertanz fand die besondere Aufmerksamkeit der vielen Zuschauer.Vaterlandsfreund, 26. 9. 1933
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7. Oktober 1935. Herbstfest
Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest
Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.
Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.
Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.
Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935